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Mittwoch, 30. Juli 2014

Steinschlag von unten

Wer Mike kennt, der kennt ihn heute vielleicht als Hausmeister der Galerie, oder als Einrichter seiner Klettergärten wie der Moriskenburg oder der Mullernalp. Nicht viele wissen aber, dass er auch im alpinen Gelände höchste Fähigkeiten aufweist. So hat er nicht nur zahlreichen alpine Sportkletterrouten bis in die hohen Schwierigkeitsgrade wiederholt, sondern auch in Patagonien seine Spuren hinterlassen. Insgesamt über ein Jahr hat er in diesem sturmumtosten Weltteil verbracht, dabei unter anderem den Cerro Torre und Fitz Roy bestiegen und an der Aguja Poincenot eine sehr schwierige Biwall-Erstbegehung hinterlassen. Nun hat er mir den Bericht seiner Besteigung des Fitz Roy zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt. Es ist nicht nur an regnerischen Tagen wie aktuell eine höchst empfehlenswerte Lektüre. Vielen Dank Mike, dass Du diese Abenteuer mit uns teilst!









Was am Ende dieses Berichts auch nicht fehlen darf, ist das Topo der Route El Corazon am Ostpfeiler des Fitz Roy. Diese wurde im Februar 1992 von der Schweizer Seilschaft Ochsner/Pitelka erstbegangen und bietet auch heute noch grösste Herausforderungen. Mike hat auch zu dieser Route eine besondere Beziehung, weil er im Jahr davor am selben Pfeiler zusammen mit Josef Heinl ebenfalls aktiv war und so dem schliesslich erfolgreichen Duo wertvolle Informationen liefern konnte.



Sonntag, 27. Juli 2014

Wendenstöcke - Via Italia (7b)

Wieder einmal an die Wenden, nachdem ich es im 2013 kein einziges Mal geschafft hatte. Auch dieser nasse Sommer bot bisher nicht allzu viele Gelegenheiten. Doch da war die Anfrage von Jonas, und ein geeigneter Tag, um wenigstens eine kürzere Route in Angriff zu nehmen. Kurz heisst jedoch nicht langweilig und schon gar nicht anspruchslos, nicht dass man dies falsch versteht! Der Sektor unserer Wahl war schliesslich der Vorbau des Reissend Nollen. Hier erreicht man in 7-8 Seillängen das Top, ein Rückzug per Abseilen geht super zügig, und falls einen das Wetter doch überrascht, findet man vom Wandfuss innerhalb von wenigen Minuten im Biwak den nötigen Schutz.

Die Südwände des Reissend Nollen an den Wendenstöcken. Im Vordergrund der rund 200-250m hohe Vorbau, und dann die obere Etage mit der grossen Arena, welche die ganz grossen Klassiker wie Batman, Caminando, Millenium et cetera bereithält. Es ist einer der grandiosesten Kletterberge der Schweiz!
Am Vorabend waren in der Region noch einige heftige Gewitter niedergegangen, kombiniert mit den extremen Niederschlagsmengen im Juli 2014 führte dies dazu, dass die Wände frühmorgens doch mit etlichen Wasserstreifen überzogen waren. Nichtsdestotrotz, durch die starke Sonneneinstrahlung trockneten die meisten Routen rasch ab, und wären machbar gewesen. Wir indessen standen am Vorbau des Reissend Nollen und hatten die Wahl zu treffen: Affennase, Nachtexpress, No Festa oder Via Italia? Ganz einwandfrei trocken war erst die Via Italia, eine Tour die durchaus einen oberen Platz auf meiner Projektliste eingenommen hatte. Zwar hatte ich bisher nicht viel über diese Route vernommen, doch aus zwei verschiedenen Quellen hatte ich einen positiven Bericht erhalten. Zudem hatte uns die unmittelbar benachbarte Zyland vor 3 Jahren super gefallen, und bei der Abseilfahrt hatten wir uns damals selbst von der Top-Felsqualität in der Via Italia überzeugen können. Damit war die Routenwahl also erledigt. Eigentlich waren wir früh aufgestanden und wollten zeitig einsteigen. Nach einem Kafihalt auf der Anreise, Abklärungen ob wir trotz Schiessanzeige klettern dürfen und etwas Musse hier und da wurde es schliesslich doch gegen 9.30 Uhr, bis die Kletterfinken geschnürt und der Achter geknüpft war.

Unser Tagesziel, die anspruchsvolle Pitelka-Route Via Italia. Die Wasserstreifen waren nach 1-2h Sonne übrigens alle weg.
L1, 35m, 7a: Mein rudimentäres Topo suggeriert für den Auftakt ein 6b, dass dies nicht zutrifft, hatte ich ebenfalls im Vorfeld gehört. Nun denn, die ersten Meter sind zwar 6b aber schon ziemlich herb, weil spärlich abgesichert und zudem ist auch der Fels auf den ersten Metern etwas splittrig-blätterteigig. Das bessert sich dann bald einmal, dafür kommt dann auch eine erste, echt harte Kletterstelle an kleinen Leisten und Löchlein. Nach ein paar Metern zum Verschnaufen gilt es einen athletischen Überhang zu knacken, gefolgt von einem Sloper-Runout zum Stand. Mit 7 BH ist diese Länge nur knapp genügend gesichert, vor allem am Anfang.

L1 ist schon ein hartes Gerät und sicher eher 7a als 6b. Jonas fightet am athletischen Überhang und ist gerade beim letzten BH der Länge.
L2, 30m, 6c: Bereits nach dem ersten Bolt folgt eine glatte, technisch fordernde Stelle. Der Abstand danach entpuppt sich zum Glück als gutmütig, bald darauf wird es dann aber wieder schwer. Ein Wulst will in technisch anspruchsvoller Kletterei an Auflegern überwunden werden, ist aber eng mit BH abgesichert. Ist dies einmal geschafft, so sind es noch etwa 15m in perfektem Fels zum Stand. Die Schwierigkeiten sind im Fünferbereich und damit gering, dafür stecken auch keine Sicherungen mehr.

L3, 40m, 7a: Fantastische Wandkletterei in allerbester Wenden-Manier! Die ersten 2 BH klippt man noch entspannt, danach überwindet man einen längeren Abstand entweder mit einer Rechtsschleife oder geht direkt (schwer, 7b?). Nun folgt erst formidable Kletterei an kleinen Leisten, ähnlich wie in den unteren Millenium-Längen. Gegen Ende hin dann knifflige Linksquergänge und in steilem Gelände hinauf zum unbequemen Hängestand, dort sind dann auch die Abstände etwas weiter.

Die lange und absolut fantastische Wandkletterei in perfektem Fels nach allerbester Wenden-Manier in L3 (7a).
Ausdauernd und athletisch ist L3 (7a) an ihrem Ende. Rauhe Mikroleisten müssen gekrallt werden, und es pfeift schon ganz schön in die Tiefe. 
L4, 15m, 7a: Der überhängende Start weist einige der typischen Wenden-Suppenschüsseln auf und ist gar nicht so schwer. Die tiptop gesicherte Crux folgt beim Übergang auf die senkrechte Platte oberhalb, weil sich da nur noch die Struktur befindet, aber keine Griffe mehr geschraubt sind ;-) An kleinen Sloper-Leisten richtet man sich auf und bleibt dann dran, der einfacher werdende Runout zum Stand hoch ist dann etwa 7m lang, erfordert kühles Blut und entschiedenes Antreten.

Jonas meistert gerade die Crux-Sequenz (Mantle auf die steile, rauhe Platte) in L4 (7a). Danach dann cool bleiben zum Stand hoch.
L5, 30m, 6b: Die einzige einfachere Seillänge, was allerdings auf die Stelle am Guillotine-Dächlein (riesige, nicht solid verwachsene Felsschuppe, die aber schon ok ist) auch nur so halb zutrifft. Mit einem weiten Zug darüber hinweg, danach folgt schöne Plattenkletterei mit weiten Sicherungsabständen. Nach dem zweiten BH übrigens entschieden nach rechts halten!

L5 (6b) ist zwar etwas einfacher, aber auch keine Dutzendware. Tolle Seillänge auch hier!
L6, 40m, 7a: Ein totales Killverviech, diese Länge. Über die ersten 2 BH geht's noch einigermassen gut in sehr schöner Kletterei an vom Wasser zerfressenen Fels. Nun folgt aber eine schwere, zwingende Steilplattenstelle 2-3m über der letzten Sicherung, man muss gaaanz sauber Antreten und als Griffe gibt's nur ein paar Sloper. Das ist aber noch längst nicht alles, anhaltend geht's weiter und das Gelände steilt immer mehr auf. Das Gestein ist perfekt und von einer Rauhheit, dass die Fingerspitzen rosa werden. Einmal geht's rechtsherum einem Riss entlang, zuletzt wird dann noch sehr athletisch an einem Bauch geprüft, wie viel Saft noch in den Armen ist.

Leider kommt auf diesem Foto nicht ganz zur Geltung, wie gut, steil, fordernd und felstechnisch perfekt L6 (7a) ist.
L7, 30m, 7b: Um den zweiten BH dieser Länge herum folgt eine sehr, sehr knackige Einzelstelle, die propagierte 6c gilt allenfalls in der Fb-Boulderbewertung. Notfalls kommt man hier auch mit 1 p.a. drüber, ansonsten waren die Cruxen in der Route öfters zwingend zu meistern. Nach diesem Piece de Resistance wird es kurz etwas einfacher, man hält sich nach links und trifft de fakto mit der Zyland zusammen, was man aber nicht bemerkt, wenn man die Route nicht kennt. Auch dort gibt es noch ein letztes Dacherl und ein Plattenstelle zu meistern, bevor man den Ausstiegsstand beim Übergang ins gestufte Gelände erreicht.

Jonas kämpft sich in L7 (7b) übers 6c-Abschlussdach hoch, das eigentlich zur Route Zyland gehört. 
Ob man es glaubt oder nicht, die Uhr zeigte inzwischen 16.30 Uhr, ganze 7 Stunden hatten wir also für die nur gerade 7 Seillängen gekämpft. Immerhin war uns das Wetter hold, denn noch immer strahlte die Sonne vom blauen Himmel. Dennoch, mit einem kühlenden Luft waren die Temperaturen immer sehr angenehm gewesen. Tja, wie schafft man es, so viel Zeit für eine solch kurze Route zu verbraten? Ich muss ehrlich sagen, dass dieses Unternehmen doch ziemlich an der Grenze unserer Fähigkeiten lag. Der Flow und das Selbstvertrauen waren leider bald weg, und erfolgte dann der Wechsel in den Modus "Hochkommen", anstatt "stilrein Klettern". Unter dem Strich konnte ich nur gerade die 6b in L5 onsighten, der Rest gelang zwar all free, d.h. die Einzelstellen waren also eigentlich schon kletterbar, aber trotzdem ist unsere B-Note klar verbesserungsfähig. Natürlich stellt sich nun etwas die Frage, ob die Route tatsächlich so schwer ist, oder ob wir einfach an diesem Tag so schlecht waren. Eine abschliessende Antwort ist schwierig, aber zwei Gedanken dazu. Die Zyland nebenan wäre bezüglich den mir a priori vorliegenden Infos als ähnlich schwer einzustufen, dort hatten wir uns aber viel, viel leichter getan. Die Schwierigkeiten dort waren geringer, viel weniger anhaltend und vor allem auch die Absicherung deutlich freundlicher. Unterstrichen wird dies für mich auch durch die Tatsache, dass ich die 6c-Crux der letzten Zyland-Länge selbst nach der Via Italia mit total leeren Armen noch problemlos meistern konnte. Klar, da war ich vor 3 Jahren schon einmal hochgeklettert, aber von der richtigen Lösung hatte ich keine Ahnung mehr. Ja eben, und diese Stelle fühlte sich für mich eben wie eine 6c an, in der Via Italia dünkte mich das meiste einfach massiv viel schwerer!

Für die Schnellen und Starken gäbe es hier oben noch Supplement: Sawiris, Rockmantic und Virus wären gut erreichbar.
Nun, zu lamentieren gibt es nix, nur besser machen kann man es das nächste Mal - irgendwie hätte ich gerade Lust, nochmals hinzugehen und die Route sauber(er) zu klettern. Etwas erschöpft traten wir den Weg in die Tiefe an, mit 5 Abseilmanövern erreicht man bequem und rasch in einer halben Stunde wieder den Einstieg. Nachdem wir bereits dort etwas gechillt hatten, bewegten wir unsere müden Glieder erst einmal hinunter ins Biwak. Dort wollten wir im Buch nachschauen, was sich denn in der Gegend alles an Wissenswertem getan hat, und natürlich auch unsere Begehung dokumentieren. Denn oft, so vermute ich, wird die Via Italia im Angesicht ihres Anspruchs und auch durch die Tatsache der fehlenden Dokumentation ja wohl nicht begangen. Irgendwann hiess es dann aber doch Aufbrechen, raschen Schrittes liefen wir gegen die Wendenalp. Der Zeitverlust beim Klettern hatte auch seine guten Seiten: unsere Militärler hatten ihre Zielscheiben durchsiebt und die Hänge mit Blei vollgepumpt, waren aber inzwischen bereits abgezogen, so dass wir unbehelligt passieren konnten. Und bis wir Meiringen erreicht hatten, war es bereits Zeit zum Nachtessen, was wir uns an üblicher Ort und Stelle natürlich nicht entgehen liessen. Merci Jonas für den Vorschlag und fürs Mitkommen, auch wenn's heute eher eins auf den Deckel gab. Immerhin gibt das den Ansporn, weiter an seinen Fähigkeiten zu feilen.

Facts

Reissend Nollen Vorbau - Via Italia 7b (6c+ obl.) - 7 SL, 220m - M. Pitelka - ****; xxx
Material: 10 Express, 2x50m-Seile, Camalots 0.3-0.75

Sehr schöne Kletterei mit einigen tollen Seillängen in bester Wendenmanier. Bis auf die erste Seillänge, welche noch nicht das Gelbe vom Ei ist, bietet die Route tollen, rauhen und griffigen Fels. Leichte Abzüge gibt es für das nicht ganz so eindrückliche Ambiente am Vorbau, zudem hat uns die benachbarte Zyland noch etwas besser gefallen. Insgesamt gibt es gerade knapp noch vier Sterne. Die Kletterei fordert Fingerkraft, Ausdauer und Stehvermögen. Die Schwierigkeiten sind recht anhaltend und erlauben für Normalverbraucher kaum ein zügiges Durchmarschieren. Die Absicherung mit soliden, aber teilweise nicht einfach anzukletternden Bohrhaken ist vernünftig bis gut, diverse schwere Stellen sind aber zwischen den Haken zu meistern, was ein xxx mit Tendenz nach unten ergibt. Kleiner Tipp am Rande: die ersten 20m sind nicht gerade leichtverdaulich, es lohnt sich aber, dranzubleiben!

Abendliches Ambiente Richtung Titlis, Grassen und Fünffingerstöcke. Zum Glück hielt das Wetter, die Gewitter kamen erst in der Nacht.
Topo

Die Route wurde in den Führerwerken vom SAC und dem Filidor-Verlag bisher nie erwähnt, nur im Auswahlführer "Klettern in der Schweiz" von Matteo Della Bordella findet sich eine knappe Erwähnung mit eingezeichneter, ungefährer Linie, aber ohne Topo. Ausgestattet mit einem knappen Begehungsbericht von obsig.ch und einer im Biwak aufgefundenen Skizze mit (falschen) Schwierigkeitsangaben begingen wir die Route. Soweit ich weiss, wurde sie von Michal Pitelka eingerichtet. In welchem Jahr, ist mir unbekannt. An den meisten Ständen, sowie auch bei einigen Zwischenhaken stecken daneben auch alte, abgebrochene Dübel. Möglicherweise ist die Route schon älter und wurde vor einigen Jahren saniert. Ich habe darum ein Topo gezeichnet, das man auch als PDF runterladen kann.



Wenden Breakdown

Animiert von der Frage "gibt es denn an den Wenden überhaupt noch Routen in deinem Schwierigkeitsgrad, die du noch nicht kennst" habe ich die Routen einmal sortiert. Die Via Italia war meine 23. Route am Massiv, konkret umfasst die Liste (nach Datum absteigend) die folgenden Touren:

Via Italia, Ben Hur, AHV, No Name, Dragon, Zyland, Strada del Sole, Blaue Lagune, Todo o Nada, Passion, Legacy, Sternschnuppe, Inuit, Lancelot, Voie de Frère, El Condor, Millenium, Excalibur, Painkiller, Caminando, Spasspartout, Patent Ochsner, Sonnenkönig.

Im SAC-Artikel von Peter von Känel sind am ganzen Massiv 95 Routen aufgelistet. Grundsätzlich gibt es also noch etwas Luft, auch wenn diverse dieser Routen entweder noch Projekte sind, aufgegebene Routen (z.B. Lupus), irgendwelche obskuren Routen, die man auch nicht wirklich wiederholen will (z.B. Lochstreifen), auch bei grossem Optimismus zu schwere (z.B. Zahir) oder dann solche die nicht begangen werden bzw. keine Infos vorliegen (z.B. Werwolf). Nun also zuerst die Liste von Routen, wo ich mir selber einen Komplettvorstieg zutraue, d.h. die sich auf meiner Projektliste befinden (Seilpartner willkommen!!!).

Milchsuppe, Kooianisquazi, Vreneli, Torwächter, Gory, Stars Away, Hodler George, Zonda, Wendenvögel, Niagara, Elefantenohr, Paco, Aureus, Charia, Querschläger, Pitelka/Eggler Nr. 64, Las Aguas del Inferno, Imax, Imago, As de Coeur, Sawiris, Affennase, Nachtexpress, No Festa, Rockmantic, Gross/Keusen, Planète Mathilde, L'Herbe à Tonton.

Das sind doch immerhin 28 Stück und damit mehr, als ich bisher begangen habe. Somit reicht es also noch für ein paar Jahre, und es sind noch ein paar grosse und schöne Herausforderungen mit dabei. Natürlich würde ich mich auch sehr freuen, noch das eine oder andere noch anspruchsvollere Testpiece zu begehen. Dort heisst es dann aber Vorsteiger willkommen, da mir diese Routen vermutlich im Vorstieg zu schwierig sind. Vielleicht kommt ja mal jemand mit in...

Zyklopenauge, Gemini, Squaw, Letzter Mohikaner, Transocean, Troja, Indian Summer, Andorra, Jednicka, Hakuna Matata, Batman, Trash, Tsunami, Dingo, Virus.

Mittwoch, 23. Juli 2014

Wellhorn - Adlerauge (6b+)

Obwohl die Wetterlage einen Grand Course mit Biwak erlaubt hätte, liess sich dies leider aus verschiedenen Gründen nicht organisieren. Auf der Suche nach einer langen Tagestour im Fels mussten wir nicht lange überlegen. Die Routen am Klein Wellhorn bieten mit rund 20 SL, 500-700m Länge, sehr gutem Kalk und einer Lage in hochalpiner Szenerie höchsten Genuss. Trotzdem sind sie aus der Schweiz gut als Tagestouren zu realisieren. Zuletzt stellte sich dann nur noch die Frage, welche Route es denn sein sollte. Aura und Chaosparadies hatte ich bei früherer Gelegenheit bereits vollständig geklettert. Noch offen war hingegen die Rechnung mit dem Adlerauge. In den 90er-Jahren war ich hier bereits einmal bis zur neunten Länge gekommen. Nachdem mein damaliger Tourenpartner nach einer Freinacht bei der Sicherungsarbeit mehrmals eingeschlafen war, war der Abbruch die unverzichtbare Konsequenz.

Grandiose Szenerie schon beim Anmarsch, der Rosenlauigletscher endet wenige hundert Meter hinter dem Routenbeginn.
Apropos Schlaf, irgendwie war er auch dieses Mal wieder ein Faktor. Der Wecker war eigentlich auf 5.00 Uhr gestellt, doch entweder war unser Schlaf so tief, dass wir ihn überhörten, oder er funktionierte nicht. Jedenfalls rüttelte mich Kathrin um 6.10 Uhr aus dem Schlaf und mahnte mich, sofort aufzustehen. Ändern mussten wir unsere Pläne deswegen aber nicht. Es war ein garantiert gewitterfreier Tag angesagt, und etwas Reserve war in unserem Zeitbudget vorhanden. Nach der Anfahrt nach Rosenlaui (Parkgebühr 8 CHF/Tag) ging es auf dem mir bereits bekannten Weg in Richtung Dossenhütte, bis dieser die Schlucht überquert. Dann hält man sich rechterhand, vorbei am Schild "Kein Durchgang" Wegspuren entlang, erst über einige Felsstufen, dann durch lichten Wald und zuletzt über einen Moranenrücken und Schutt an den Fuss der Klein Wellhorn SE-Wand. Der Einstieg befindet sich auf ca. 2060m, es sind also 700hm Aufstieg zu meistern, wofür wir gerade eine gute Stunde brauchten. Es war nun kurz vor 10.00 Uhr und an der Sonne angenehm warm. Da hatte ich hier auch schon andere Erlebnisse gemacht: bei diesen langen Touren denkt man sich nämlich, dass ein früher Aufbruch das Gelbe vom Ei sei. Doch je nach Jahreszeit steigt die Sonne erst ab ca. 8.00-9.00 über den Grat der Gstellihörner und bescheint den Einstieg. Vorher weht vom nahen Gletscher her stets ein eisiger Wind, welcher einen die ersten Seillängen zitternd und zähneklappernd absolvieren lässt. Der eigentliche Einstieg befindet sich in einer Nische etwa 15m über dem Wandfuss und ist noch seilfrei mit einigen Moves im 3. Grad zu erreichen. Die grosse Symbol-Zeichnung und auch die Namensaufschrift sind ziemlich verblasst und nur noch mit Adleraugen zu erkennen, aktuell hängt an einem der Startbolts aber eine ca. 2m lange Reepschnur.

Es wartet das grosse, graue Plattenmeer. Hier allerdings schon der Start von L3 (6a+) mit der Knobs-Leiter im linken Vordergrund.
L1, 25m 5c+: Auf los geht's los, trotz moderater Bewertung sind gleich die ersten paar Meter gar nicht so einfach und erfordern bereits sauberes Antreten, dies auch über den Bohrhaken. Die zweite Hälfte der Länge ist dann einfacher in nicht ganz solidem Fels, dafür stecken auch keine Sicherungen mehr.

L2, 25m, 5c: Im Zuge der Sanierung wurde hier ein direkterer Weg eingebohrt, die Bewertung aber nicht geändert. Es ist aber schon einigermassen knifflig, ich würde hier eher 6a geben. Zuletzt dann einfacher links hinauf zum Stand auf einer Art Pfeiler.

L3, 45m, 6a+: Sehr origineller und spezieller Start an einer Art Leiter aus Knobs (Silex-Einschlüssen). Bald danach gibt's dann die erste schwere und obligatorische Plattenstelle als Vorgeschmack auf alles, was noch kommt. Die zweite Hälfte ist dann einfacher, mit etwas kurviger Linienführung.

L4, 40m, 6a+: Der erste BH steckt hoch und ist mühsam zu klinken. Warum? Hier wurde wieder einmal der Ochsner-Spezialtrick angewandt: von der vernünftigen Setzposition wurde ein Loch gebohrt, an diesem dann geclifft und der BH nochmals 50cm höher gesetzt - naja! Die danach folgende Kletterstelle, eine heftige Plattenquerung auf Reibung ist echt schwer und würde frei auch 6c verdienen, finde ich. Vielleicht war ja bei der Erstbegehung gerade die Sicherungsperson eingeschlafen und gab keinen Slack... mit etwas Seilzug kommt die 6a+-Bewertung dann wohl etwa hin.

Einfache Rampe am Ende von L6 (5c+), die Sicht zu Engelhörner und Hasliberg genial.
L5, 35m, 6a+: Schöne Seillänge, zuerst rechtsherum und dann in kniffliger Plattenkletterei nach links. Die Absicherung ist dort für einmal eng, für 6a+ geht's im Vergleich zu L4 auch easy. Für mich im Vergleich zur Länge davor definitiv nicht derselbe Grad. Absolut grandios auch die Bullaugen-Querung nach links.

L6, 45m, 5c+: Zuerst eine plattige Wandstufe in sehr schönem Fels. Der in den Topos verzeichnete Stand nach 20m am Beginn der nach links querenden Rampe existiert nicht mehr und ist auch nicht nötig. Man geht direkt weiter in der kaminartigen Rinne und nimmt dann den Kettenstand auf dem Pfeilerlein links aussen.

L7, 35m, 6b+: Man folgt noch etwa 10-15m der Rampe und lässt dort den Stand mit 2 nicht verbundenen BH aus. Dort steil die Wand hinauf, der nächste BH steckt hoch und ein Sturz auf die Rampe wäre gefährlich, die Kletterei ist aber noch nicht schwer. Die Crux ist dann konzentriert auf einen abrängenden Wulst mit 3 BH, wenn man weiss wie dann passt 6b+ schon. Zuletzt dann ein Runout über die Platte hoch zum Stand.

Die Crux in L7, der ersten 6b+ eben überwunden, nun noch der Runout über die Platte zum Standplatz.
L8, 35m, 6a+: Plattige Querung nach links hinaus. Erst geht's noch gut, doch dann wartet eine für den Grad recht harte und auch obligatorische Crux. Die Füsse laufen auf ziemlich glatter Platte an, die wenigen Schlitze für die Hände sind a) weit auseinander, b) etwas sloprig und c) etwas speckig/glatt. Zuletzt dann etwas kühn an zwei SU-Schlingen vorbei an den Stand, die beste Linie verläuft ziemlich kurvig um die Sicherungen herum!

L9, 40m, 5c+: Etwas einfachere Seillänge mit weiträumiger Absicherung. Man startet links und bezwingt einen steilen Aufschwung (NH/BH) und folgt dann rechts einer verschneidungsähnlichen Rippe (BH). Danach ist es dann zwar nicht mehr so schwierig, aber noch weit (20m) und ohne Sicherung bis zum Stand.

L10, 40m, 6a+: Auftakt in einer schönen Plattenwand, hier wartet auch die technische Crux. Das Gelände wir dann einfacher und etwas beliebig, es sind keine Sicherungen vorhanden. Schliesslich steht man auf einem Band/Rinne und wird sich gewahr, dass es noch weitergeht. Die nächste Sicherung (sehr dünne SU) ist etwas heikel anzuklettern, danach geht's dann in sehr schöner Wasserrillenkletterei (2 BH) zum Stand.

Die superschöne Wasserrillenwand am Ende von L10 (6a+). Der BH kurz vor dem Stand wäre etwas tiefer nützlicher...
L11, 46m, 6b+: Die anhaltendste Seillänge, auf dem Internet habe ich die Bezeichnung Killerviech gelesen. Das hängt natürlich vom Niveau des Begehers ab, jedenfalls geht es schon bald nach dem Stand los mit den Schwierigkeiten und man wird zu einer längeren Cruxzone geleitet, wo pressig an Unter- und Seitgriffen agiert werden will. Danach gleich umstellen und feingriffig auf die folgende Platte manteln, bevor es in etwas einfacherer, aber sehr schöner Kletterei an perfektem Fels aufs Biwakband hochgeht. Es war inzwischen 14.30 Uhr geworden, gut die Hälfte der Route war absolviert. Und ab jetzt kletterten wir auch im Schatten. Dies war nicht weiter schlimm, in einem leichten Pulli war es sehr angenehm. Zuvor an der Sonne war es übrigens warm, aber nie störend heiss.

L12, 35m, 6a+: Leicht überhängender Spass an meist guten Griffen und ein paar kleineren Leisten. Die Absicherung ist etwas seltsam, erst kommen ein NH und zwei BH unmittelbar hintereinander, dafür läuft man beim folgenden Runout wieder die Gefahr, aufs Biwakband zu stürzen?!? Die Kletterei da zum Glück nicht so schwer, irgendwann klippt man den nächsten BH und freut sich auf das absolut grandiose Finale dieser Länge mit einer fabelhaften Lochwand.

L13, 44m, 6a: Ansteigende und gutmütige Querung nach links hinaus in etwas abschüssigem Fels. Für einmal ist die Absicherung mit BH gut bis sehr gut ausgefallen, irgendwie auch nicht ganz verständlich. Dafür ist das Gestein hier etwas weniger schön, obacht auf die losen Blöcke links im Mittelteil dieser Länge.

Die lange Linksquerung von L13 (6a). Unten werden die Schatten des Wellhorns länger und länger...
L14, 30m, 6b: Linksrum hinauf in die brüchige Gufel, und dann in schöner und gut abgesicherter Wandkletterei weiter. Unter dem steilen Wulst mit den 2 nahe steckenden BH wird man sich sofort bewusst, dass nun die Crux folgt. Man finde die kleinen Leisten oberhalb vom Wulst (unübersichtlich!) und wenn man denkt "ui, jetzt wird's schwer", dann kommt auch schon das perfekte Henkelloch - echt genial!

L15, 25m, 6b+: Zuerst eine Querung 5m nach rechts, dort wird eine relativ kurze, dafür überhängende und unübersichtliche Wandzone angepackt. Die Crux ist ein wirklich harter 3-Zug-Boulder, ich denke die 6b+ Routenbewertung ist hier nicht realistisch, sondern passt schon eher als Boulderbewertung in der Fb-Skala. Auf jeden Fall nehme ich die sloprigen Griffe doch tatsächlich falsch und benötige einen zweiten Versuch, um rotpunkt durchzusteigen. Danach kommt dann noch ein alter NH und der Mantle auf nächste Band, welcher für einmal alles andere als trivial und etwas heikel ist.

L16, 40m, 5c: Der Blick auf die kompakte Platte, die Angabe einer 40m-Seillänge und die Präsenz von nur gerade 1 SU und 2 BH lässt Böses schwanen. Doch wie in vielen Längen (v.a. im oberen Wandteil) sind die Meterangaben im Topo massiv überzogen, es sind eher nur 20m, maximal 25m an den nächsten Stand. Die Kletterei entpuppt sich auch als gutmütig, da es etliche von unten nicht gleich ersichtliche, gute Griffe hat. Somit ein gemütliches und schnelles Intermezzo auf dem Weg zum Top.

Auf dem Weg zur Crux in L15 (6b+). Nach der Rechtsquerung geht's sehr bouldrig über das nächste Wändchen hoch.
L17, 35m, 6a+: Sehr schöne Kletterei nach rechts aufwärts in perfektem, vom Wasser zerfressenem Fels. Die Absicherung ist hier leicht seltsam, erst vom Band weg lange nichts und etwas heikel, dann 2 BH innerhalb von 1m, dann ein "normaler" Abstand und zwei weitere BH innerhalb von 1m. Zuletzt dann ein langer Runout (10-15m) an den Stand. Dort ist die Kletterei noch steil und ausdauernd, aber nicht mehr wirklich schwierig. Wenn man die richtige Linie wählt (erst nach links ausholen, dann nach rechts zurück), hat man durchgehend Henkel in der Hand.

L18, 20m, 5a: Es ist nun 17.30 Uhr und wir haben das Wandbuch erreicht. Weil noch etwas Zeit bleibt, wollen wir weiter zum Gipfel, oder zumindest zum Ende der Kletterei. Zumal auch oberhalb vom Wandbuch nicht nur einfache Schrofen folgen, sondern der Fels immer noch gut aussieht. An der kleinen Verschneidung links klettert man sehr schön zu einer fixen SU-Schlinge (ein Witz, die dünne SU hält einen Sturz niemals!) und nach links zum grossen Block mit fixer Schlinge.

L19, 30m, 4c: Nun also die letzte Länge. Leider ist die Routenführung total beliebig, auch das Topo zeigt keine vernünftigen Anhaltspunkte. So gleicht die Suche nach der Abseilverankerung nach der Suche einer Nadel im Heuhaufen. Zwischensicherungen gibt's selbstverständlich auch keine mehr. Insgesamt also eine total verzichtbare und auch gefährliche Sache.

Dies ist die fantastische Lochwand am Ende von L12 (6a+).
Um 18.00 Uhr bin ich dann doch noch fündig geworden. Auf den noch recht weiten Weg zum Gipfel (P.2686) verzichten wir lieber, zumal dann auch noch heikle und ungesicherte Abkletterei retour zum diesem letzten Stand warten würde. In Retrospekt wäre es sowieso gescheiter gewesen, die Tour beim Wandbuch zu beenden. Die letzten beiden Längen bieten keinen besonderen Klettergenuss mehr, mangels Zwischensicherungen wäre ein Sturz lebensgefährlich und man ist nach L19 weder am Gipfel noch am Grat. Der Fels böte zwar in den kompakten Zonen durchaus noch Möglichkeiten für schöne Moves und wäre prima, natürlich hält man sich mangels Absicherung aber dann doch lieber an die weniger kompakten und einfacheren Bänder. Schade haben die Erstbegeher (oder Sanierer) hier nicht noch ein paar BH spendiert und die letzten beiden Längen in die Zonen mit schönem Fels gelegt. Tja, was soll's, mit einem Abseiler sind wir retour beim Wandbuch, wo wir um 18.15 Uhr den Weg in die Tiefe antreten. Dieser geht recht kommod in rund einer Stunde vonstatten, selbst mit 2x50m-Seilen kann man einige Stände überspringen und kommt in 11 Manövern retour zum Wandfuss, ein weiteres Indiz auf die überzogenen Meterangaben im Topo. So sind wir um 19.30 Uhr abmarschbereit, mit dem richtigen Auge findet man auf dem Runterweg einige Zonen mit feinem Geröll zum Abrutschen. Um 20.15 Uhr und damit weniger als 12 Stunden nach dem Aufbruch sind wir retour beim Automobil, bald darauf steht in unserem Stammlokal in Meiringen der feine Znacht auf dem Tisch, bevor wir die letzten 1.5h Autofahrt nach Hause in unser Bett in Angriff nehmen. Das war jetzt echt ein super Tag und ein tolles Erlebnis. Ich freue mich schon jetzt auf die Begehung der mir noch nicht bekannten Wellhorn-Routen Gletschersinfonie, Miracolo und Kundalini!

Immer wieder trifft man in der Wand auf sehr schöne Edelweiss.
Facts

Wellhorn - Adlerauge 6b+ (6a+ obl.) - 19 SL, 650m - Ochsner/Baldinger/Glarner 1987 - ****; xxx
Material: 12 Express, 2x50m-Seile

Sehr schöne, bereits klassische Route in magischer, hochalpiner Szenerie, die ganz bestimmt ins Tourenbuch jedes alpinen Sportkletterers gehört. Die Kletterei führt oft durch perfekten, rauhen, vom Wasser bearbeiteten Fels mit allerlei Griffformationen, besonders erwähnenswert sind die zahlreichen Löcher aller Grössen und die immer wieder präsenten Knobs. Dazwischen gibt es auch einige einfachere Meter in nicht ganz so gutem Fels, diese sind aber nie heikel oder besonders störend. Die Absicherung kann man als vernünftig bezeichnen. Alle Schlüsselstellen (>=6a+) sind sehr gut mit BH abgesichert. An einfacheren Kletterstellen (<=5c) hat es teils weite Abstände, immerhin ist die Kletterei dort griffig und gut kontrollierbar. Ebenso kann man sich wie bei Kaspar Ochsner üblich darauf verlassen, dass vor der nächsten schweren Kletterstelle wieder geklinkt werden kann. Trotzdem, ein Sturz an der falschen Stelle könnte hier und da gefährlich sein.

Wellhorn-Kletterei, einfach grandios! Hier am Ende von L10 (6a+).
Wissenswertes

Vorsicht vor Gewittern! Aus dieser SE-Wand sieht man die in der Regel von NW heranziehenden oder sich im Kessel von Grindelwald zusammenbrauenden Unwetter nicht, bis es viel zu spät ist. In der Wand gibt es so gut wie keinen Schutz und es herrscht bei Starkniederschlag akute Steinschlaggefahr. Daher wirklich nur bei ganz sicherem Wetter einsteigen, dies ist kein Ort für Experimente!!!

Die beste Jahreszeit für die Touren am Wellhorn ist von Juni bis September. Vor allem im Frühjahr bleiben die linken Touren (Aura, Gletschersinfonie) lange von Schmelzwasser überronnen, das Adlerauge dürfte meist so ab Anfang bis Mitte Juni machbar sein. Im Herbst können hingegen die kurzen Tage zum Handicap werden. Wie oben beschrieben, empfehle ich erst mit der Sonne (ca. 8.00-9.00 Uhr) einzusteigen, davor ist es oft bitter kalt.

Die Bewertungen fand ich (bis auf L4 und L15) zwar nicht falsch, aber sie sind Old School. Es handelt sich um eine Ochsner-Route im alten Stil, in punkto Absicherung und Bewertung vergleichbar mit anderen Werken aus jener Epoche wie Aureus, Sternschnuppe oder Silberfinger. Seine späteren Routen wie Millenium, Häxering, Schmunzelrunzel oder auch Aura und Chaosparadies sind anders...

Anstatt abzuseilen, könnte man auch den Fussabstieg über den NE-Grat und die N-Flanke zum Läsisattel wählen (siehe hier). Ich kenne diesen (noch) nicht, er soll aber durchaus spannend sein und man kann das Wellhorn so ideal überschreiten. Man kommt dann allerdings nicht mehr am Einstieg vorbei und zeitlich ist man vom Wandbuch aus eher langsamer. Abseilen über die Route und Abstieg nach Rosenlaui dauern rund 1:45h, man wäge dies gegen 2-3 SL weitere Kletterei zum Grat und 400-500hm Abkletterei zum Läsisattel (Stellen bis UIAA 3) ab.

Fantastisch auch die Gletscherschliff-Platten im Hintergrund, und natürlich der immer wieder kalbende Gletscher!
Natürlich muss man den oft raren, geeigneten Tagen mit weiteren Seilschaften in der Route rechnen (wir hatten den ganzen Berg für uns alleine). Allzu oft wird die Route aber nicht komplett begangen. Seit der Sanierung im Sommer 2011, wo ein neues Wandbuch gelegt wurde, haben sich mit uns nur gerade 9 Seilschaften eingetragen. Dieses Jahr waren wir sogar die Ersten.

Bezüglich der Sanierung sei gesagt, dass nur gerade die Standplätze erneuert wurden. Dort stecken jetzt (meist) Inox-Kettenstände. Warum man aber verzinkte Beilagsscheiben eingesetzt hat, die nun auch schon wieder rosten, ist nicht restlos verständlich. Die Zwischenhaken stammen hingegen (bis auf ganz wenige Ausnahmen) noch aus der Zeit der Erstbegehung, teilweise hat es auch noch alte NH mit fragwürdiger Haltekraft. Die SU sind meist dünn, und dienen oft mehr der Orientierung als einer verlässlichen Sicherung. Insgesamt ist die Absicherung aber schon ok (xxx).

Ein gutes, frei verfügbares Topo findet man auf der Seite von Thomas Behm. Fast noch etwas besser ist jenes aus dem Führer Extrem West des Filidor-Verlags. Wer etwas sucht, der findet auch dieses im Netz.

Sonntag, 20. Juli 2014

Sanierung Garten Eden

Auf meinem Sanierungsappell für die Route Garten Eden an der Schafbergwand hatte sich zwar nicht ein riesig grosses, aber doch genügendes Echo ergeben. Herzlichen Dank Euch, Oli, Stefi, Adi, Kornelius und Markus, für den sehr geschätzten Beitrag. So waren die Kosten für die Haken mehr oder weniger gedeckt und an der Motivation, die Route mit zuverlässigem Material auszustatten um sie aus dem Dornröschenschlaf zu heben, fehlte es sowieso nicht. Mit Werner Küng, dem Autor des SAC-Kletterführers Alpstein und Regional-Vertreter der SAC-Gruppe Sanieren und Erschliessen, konnte ich einen äusserst kompetenten Partner für die Ausführung finden.

An diesen Häklein mussten man die Route bisher klettern. Total unzuverlässiges Material mit minimaler Haltekraft.
Nachdem der Monsun vorüber war, wir früh aus den Federn gekommen waren und heftig Eisen an den Wandfuss geschleppt hatten, konnte es losgehen. Unsere Absicht war es, gleich die ganze Route in einem einzigen Tag zu sanieren. Die Taktik bestand darin, dass ich die Route im Vorstieg mit meiner Maschine am Gurt klettern würde. Wo aus Gründen der Sicherheit nötig, würde ich gleich neue Haken bohren und auch die Standplätze an bessere Orte verlegen. An allen anderen Stellen markierte ich nur die Position der neu zu bohrenden Haken, welche dann von Werner am fixierten Seil ersetzt wurden. Sein Nachsteigen mit den Jümars liess mir natürlich die Hände frei, so dass ich mich meist Ablassen und auch noch einige Haken ersetzen konnte, oder dann einige andere, wichtige Nebenarbeiten erledigen konnte. Dementsprechend ging es flott voran, und wir konnten die Sanierung tatsächlich in einem einzigen Tag abschliessen. Und sie war bitter nötig: die meisten Haken waren M8-Selbstbohrdübel, in welche eine Öse mit einem 15mm langen und an der dünnsten Stelle 6mm dicken Gewindestift geschraubt war. So etwas war schon zu Zeiten der Erstbegehung 1991 nicht der übliche Standard. Nachdem nun auch noch der Zahn der Zeit an diesem Schrott genagt hatte, genügten ein paar wenige, kräftige Hammerschläge zum Abbrechen der Haken. Was das im Sturzfall geheissen hätte? Wirklich zu beantworten mag ich diese Frage nicht. Hingegen weiss ich aus eigener Erfahrung, dass ein qualitativ guter, einwandfrei gesetzter A4-Inoxanker mit einem Hammer nicht abzuschlagen ist. Und das gibt einem doch ein deutlich besseres Gefühl, denn schliesslich hängt ja doch unser Leben an den Dingern!

video

Was haben wir also genau gemacht? Schliesslich war es so, dass wir jeden Standplatz der Route an einen anderen Ort verschoben haben. Keiner ist aber mehr als 3m vom alten Platz entfernt und auch wenn nicht jeder ein absoluter Deluxe-Stand mit Sitzgelegenheit und allem Komfort ist, so kann man jetzt doch immerhin überall vernünftig stehen. Alle gefährlichen Stellen haben wir durch bessere Platzierung der Haken entschärft, und auch zwei, drei vorher zwingende Passagen sind durch faires Platzieren der Haken verschwunden. Nun passt auch die Angabe von 6b obligatorisch, so wie vom Erstbegeher gewollt. Nicht wesentlich verändert hat sich hingegen die Hakenanzahl. Es stecken jetzt rostfreie A4-Anker der Dimension 10x90mm, ein Material, welches in Bezug auf die Korrosion sicher die nächsten 100 Jahre überdauert. Hingegen ist durch die Sanierung die im SAC-Führer erwähnte Möglichkeit mit einem 55m-Einfachseil abzuseilen verloren gegangen. Wie lange ein Einfachseil nun sein müsste, damit man wieder runterkommt, vermag ich nicht zu garantieren. Sicher würden 70m reichen, 60m vermutlich auch. Sinnvollerweise rückt man aber mit 2x50m-Seil an, darauf ist die Abseilerei mit 3 Manövern nämlich perfekt ausgelegt.

Bolting on lead bei der Sanierung, hier die erste Crux der 7a-Länge. Den alten BH konnte man leider erst danach bzw. gar nicht auf eine vernünftige Art und Weise einhängen.


Aktualisierte Routenbeschreibung

Der Einstieg befindet sich immer noch ganz rechts bei den östlichen Südwandplatten, dort wo das Band am Wandfuss in einer kaminartigen Rinne aufgeht. Am Einstieg steckt nun ein Bohrhaken, auf dessen Plättli der Routenname eingraviert ist. Danke Stefi für diese prompte Spezialanfertigung!

L1, 35m, 6b: Schöne Kletterei, auch wenn der Fels noch nicht ganz so kompakt ist und man ab und zu an einem Grasbüschel vorbeiklettert. Die Schwierigkeiten bestehen aus einer plattigen Querung am dritten BH und Mantle an einer Schuppe weiter oben.

L2, 25m, 6a: Vom Charakter ähnlich wie L1, mit einer für 6a schweren Stelle gleich nach dem Stand. Hier hilft es, wenn man etwas links ausholend klettert. Man steigt dann aufs Grasband aus, klippt dort (für den Nachsteiger zwingend!) einen Haken an der oberen Wand und steigt etwas nach links ab, wo sich nun ein gut eingerichteter Stand (nochmals mit Namensplakette) befindet.

Routenverlauf und Position der Garten Eden am Berg.
L3, 30m, 7a: Die Cruxlänge bietet sehr schöne Steilplattenkletterei in kompaktem Fels. Bei anhaltender Kletterei gibt es 3 deutliche Schlüsselstellen, welche nun nach der Sanierung nicht mehr zwingend zu meistern sind. Ich vermute, dass diese Länge mit 7a eher generös bewertet ist. Allzu hart schien es mir nicht, aber vielleicht lag es auch dran, dass ich nun die entscheidenden Stellen schon kannte.

L4, 25m, 6c: Ebenfalls eine sehr schöne Länge in perfektem Fels. Die früher heikle Crux konnte durch sinnvolle Hakenplatzierung entschärft werden und folgt nun direkt nach dem zweiten BH. Gewusst wie und mit einer zuverlässigen Sicherung ausgestattet, war es nun gar nicht mehr so wild. Der Stand wanderte vom maximal unbequemen Plattenschuss auf die kommode Grasmutte linkerhand.

In der sehr schönen L4 (6c), das Bild allerdings vom letzten Mal und nicht vom Sanieren.
L5, 30m, 6c+: Erneut fantastische Plattenkletterei in kompaktem Fels. Der Auftakt über ein Dächlein hinweg entpuppt sich als erstaunlich gängig, bevor eine nun gut gesicherte Reibungscrux gefühlvolles Antreten verlangt. Zuletzt dann in anhaltender 6b-Kletterei an Wasserrillen und der einen oder anderen Griffschuppe zum Stand auf schmaler Fussleiste.

L6, 25m, 6c: Das Schlussbouquet wartet nochmals mit prima Kletterei auf, die mit nun verbesserter Hakenplatzierung deutlich aufgewertet werden konnte, weil man nicht mehr auf die Vegetation linkerhand angewiesen ist. Zuletzt hat die Wand dann weniger und weniger Struktur und verlangt noch einige gefühlvolle Züge zum Abschlussstand hin.

Kompakte Plattenkletterei in L5 (6c+), ebenfalls vom letzten Mal und nicht beim Sanieren.
Hier, ganz am Ende nahmen wir den grössten Eingriff in die alte Route vor. Nach langem Abwägen kamen wir zu einem gemeinsamen Entschluss, setzten den Stand 3m tiefer als früher und eliminierten damit die letzte, beinahe unmögliche Stelle. Diese hatte ich schon letztes Mal als einzige Stelle nicht klettern können. Nachdem ich mich nun erneuten an den alten Stand hochgetecht hatte, suchte ich eine halbe Stunde lang nach einer Freikletter-Lösung, konnte aber, egal wie und wo, keine finden. Wohl bemerkt hatte ich alle anderen Moves in der Route bereits beim ersten Mal auf Anhieb klettern können. Die im Topo angegebene 6c+ ist also mit Sicherheit nicht korrekt. Damit man diese Stelle ohne Mühe und Gewürge bewältigen kann, hätten wir noch zwei zusätzliche Haken setzen müssen, mit welchen man die letzten 3m der Route dann A0 bewältigt hätte. Dies schien uns aber sinnlos, da der alte Stand auch irgendwo im Nirgendwo war, d.h. an keinem logischen Platz und total unbequem dazu. Wer jetzt die ethische Moralkeule schwingen will, der darf a) die Arbeit das nächste Mal selber und besser machen und b) die Stelle trotzdem noch klettern. Perfekt am neuen Inox-BH gesichert (auf selber Höhe wie der ursprüngliche letzte Zwischen-BH) klettert jeder der will diese unmögliche Stelle hinauf zum alten Stand. Dort habe ich den besseren der beiden Standhaken mit einem Umkehrkarabiner belassen, so dass man sich problemlos zum neuen, bequemeren Stand ablassen kann. No Problems also, wobei jeder Normalo ganz bestimmt froh darum ist, die Route nun in freier Kletterei am logischen Endpunkt beenden zu können.



Facts

Schafbergwand - Garten Eden 7a (6b obl.) - 6 SL, 165m - F.Umlauft 1991, saniert M.Dettling & W.Küng 2014 - ****; xxxx
Material: 2x50m-Seil, 10 Express.

Prächtige Steilplattenkletterei durch den rechten Teil der östlichen Südwandplatte in der Schafbergwand. Sie bietet anhaltende Schwierigkeiten und vorzüglichen, meist kompakten und weitgehend grasfreien Fels der vom Wasser zerfressen ist und ein hervorragende Reibung aufweist. Es handelt sich nach meiner Einschätzung um eine der lohnendsten, wenn nicht die aktuell lohnendste Route dieses Sektors. Die BH-Absicherung ist nach der Sanierung nun als vorzüglich zu bewerten, es ist nur mehr (aber immer noch!) der Grad 6b obligatorisch.

Update und Topo

Wie meinem (aus historischen Gründen unveränderten) Text und auch den untenstehenden Kommentaren zu entnehmen ist, waren die ursprünglich aufgeführten Bewertungen eher zu hoch angesetzt. Im Konsens von verschiedenen Wiederholern wurde die Route schliesslich mit den Graden 6b/6a+/6c+/6b+/6c/6b+ eingestuft. Werner Küng hat bereits ein neues Topo mit Sicherungssymbolen und angepassten Schwierigkeiten erzeugt, man kann es hier downloaden.

Montag, 7. Juli 2014

Schafbergwand - Garten Eden (7a)

Quasi schon wieder an die Schafbergwand - das ist in der Tat etwas erstaunlich wenn man weiss, dass ich die Vielfalt der Gebiete bevorzuge und ungern kurz hintereinander dieselben Felsen besuche. Zudem ist der Schafberg auch eher ein Ziel für die Nebensaison, bzw. lässt es sich hier früh und spät im Jahr gut klettern. Im Juli hingegen, da kann man grössere Ambitionen zeigen. Doch leider nicht an diesem Tag, starker Föhn war angesagt, dazu heftige Gewitter am Nachmittag und sowieso hiessen uns familiäre Verpflichtungen, am späteren Nachmittag wieder daheim zu sein. Trotzdem wollten wir eine spannende MSL klettern, und da ist die Schafbergwand unter diesen Voraussetzungen dann eben das logische Ziel.

Hinweis: die Inhalte in diesem Bericht und die Routenbeschreibung sind nicht mehr aktuell, weil ich die Route zusammen mit Werner Küng im Juli 2014 saniert habe. Aus Gründen der Vollständigkeit lasse ich das hier geschriebene aber unverändert stehen. Wer sich über die aktuelle Route informieren will, findet im neuen Bericht Erhellung.

Die Schafbergwand mit der Route Garten Eden. Das Foto ist vom April 2012, inzwischen liegt natürlich längst kein Schnee mehr.
Bei Föhnlagen ist die Schafbergwand ein sehr gutes Ziel. Das Ost/West ausgerichtete Toggenburg ist kein Föhnkanal, zudem ist die Gegend um Wildhaus offen, man befindet sich auf der Luvseite des Mini-Gebirges Alpstein und die Wand ist weit von einer Kammlage entfernt. Während anderswo Windspitzen von über 100km/h registriert wurden, blieben wir tatsächlich unbehelligt, der Föhn war kein Faktor. Und da auch bald hohe Schleierwolken den Himmel überzogen und die Gewitter bis abends ausblieben, konnten wir tatsächlich bei besten Bedingungen agieren. Der Tag begann mit (den Umständen geschuldetem frühem) Aufstehen um 5.15 Uhr, so dass wir um rund 8.30 Uhr mit dem Klettern beginnen konnten. Der Einstieg befindet sich ganz rechts bei den östlichen Südwandplatten, dort wo das Band am Wandfuss in einer kaminartigen Rinne aufgeht.

L1, 30m, 6b: Schöne Kletterei, auch wenn der Fels noch nicht ganz so kompakt ist und man ab und zu an einem Grasbüschel vorbeiklettert. Die Schwierigkeiten bestehen aus einer plattigen Querung am dritten BH und einem zwingenden, etwas kühnen Mantle weiter oben. Der Stand ist sehr unbequem.

In L1 (6b) bereits schöne Kletterei, auch wenn hier noch der eine oder andere Grasbüschel auf der Linie spriesst.
L2, 25m, 6a: Vom Charakter ähnlich wie L1, mit einer für 6a schweren Stelle in der ersten Hälfte. Man steigt dann aufs Grasband aus, klippt dort einen Haken an der oberen Wand und steigt am besten etwas nach links ab, wo man direkt unter der BH-Linie von L3 einen einsamen Stand-BH im Gemüse findet.

L2 (6a, etwas unterbewertet, eher 6a+) ist von Charakter und Schönheit her ähnlich wie L1.
L3, 30m, 7a: Die Cruxlänge bietet sehr schöne Steilplattenkletterei in kompaktem Fels. Bei anhaltender Kletterei gibt es 3 deutliche Schlüsselstellen, wobei die ersten beiden absolut zwingend zwischen den BH zu meistern sind. Schwerer wie 7a sind die Moves nicht, dafür aber ein klarer Fall von 7a obligatorisch! Der Stand ist sehr unbequem.

Anhaltende Kletterei durch die kompakte Knallerplatte von L3 (7a), welche zusätzlich 3 markant schwere Einzelstellen bereithält.
L4, 25m, 6c: Ebenfalls eine sehr schöne Länge in perfektem Fels. Die Crux liegt in einem heiklen Aufsteher zwischen erstem und zweitem BH. Wer das nicht gebacken kriegt, prallt mit der Sicherungsperson zusammen. Mein Kletterpartner rutschte "zum Glück" schon früh genug ab, d.h. schon 1m vor der schwersten Stelle, und verfehlte mich um Haaresbreite. Der Stand ist unbequem.

Ich habe geschrieben, der Fels sei perfekt und die Kletterei super. Sieht man dieses Bild aus L4 (6c), so glaubt man es wohl auch?!
L5, 30m, 6c+: Erneut fantastische Plattenkletterei in kompaktem Fels. Der Auftakt an der SU vorbei geht noch gut, doch bald darauf sind die BH sehr ungünstig platziert, so dass die heikle Reibungscrux zwingend gemeistert werden muss. Zuletzt dann gut abgesichert in anhaltender 6b-Kletterei zum sehr unbequemen Stand.

Für einmal die Gegenperspektive, yours truly im Vorstieg in L5 (6c+).
L6, 25m, 6c+: Das Schlussbouquet wartet nochmals mit prima Kletterei auf, auch wenn die Qualität hier nicht mehr ganz so gut ist wie in L2-L5. Geht es erst noch gut dahin, nur das Einhängen eines suboptimal platzierten BH stellt Probleme, so ist die Wand vom letzten BH zum sehr unbequem und unlogisch platzierten Ausstiegsstand dann total glatt. Diese Stelle war nach unserem Dafürhalten die schwerste Einzelstelle der Tour. Vielleicht ging es mal besser, als die Griffe an der Kante zur Vegetation rechts oben/aussen geputzt und nutzbar waren, aber dem ist leider längst nicht mehr so.

Zum Abschluss noch die tolle L6 (6c+), gegen Ende wird der Fels immer glatter und Struktur/Rauhigkeit verschwinden.
Erst um 13.30 Uhr waren wir am Top angekommen, die Kletterei hatte also doch 5 Stunden in Anspruch genommen. Erklären lässt sich dies gut, die Kletterei ist nämlich anhaltend schwer und knifflig. Auch wenn die Schwierigkeiten etwas tiefer liegen als im kürzlich von mir gekletterten Tanz auf dem Regenbogen, so gibt es doch keine "geschenkten Meter" und der Weiterweg will stets sorgfältig überlegt sein. Und dann vor allem eines: die Qualität des Hakenmaterials ist einfach grottenschlecht, was doch einige Zusatzmanöver erforderte! Es handelt sich um total verrostete M8-Kronenbohrhaken, welche entweder mit Gerüstösen oder Eigenbau-Plättli ausgestattet sind. Wie viel wohl deren Haltekraft noch beträgt?! Man kann nur darüber mutmassen. Wir behalfen uns mit der Taktik, dass immer mindestens 3 BH eingehängt sein müssen, und ein Sturz in den Stand absolut tabu ist. Dies liess sich mit dem Vorklippen des jeweils ersten BH der nachfolgenden Länge bewerkstelligen. Zudem wollten wir auch weite Stürze in die schlechten Haken vermeiden, und da uns insbesondere auch die Kunde von teils ungünstig platzierten, schlecht zu klippenden BH und zwingenden Schlüsselstellen zu Ohr getraten war, führten wir auch unseren Zauberstab mit. Ich hatte ihn im Vorstieg 4x eingesetzt, um jeweils schon deutlich über dem letzten BH aus der Kletterstellung ein paar Exen in die schlecht platzierten BH einzuhängen, konnte dann das Seil von einem guten Tritt aus entspannt klippen und jeweils sogar ohne die Sicherungskette zu belasten weiterklettern. Man halte davon, was man will, ich hätte mich jedenfalls bei diesem schlechten Hakenmaterial diese 4 Stellen ohne das Hilfsmittel nicht getraut.

Sanierungsappell

In diesem Zustand fällt es mir schwer, die Route zu empfehlen. Ich würde nur unter den entsprechenden Vorsichtsmassnahmen einsteigen, bzw. wenn man die Schwierigkeiten absolut im Griff hat. Auch dann bleibt wegen dem Material ein gewisses, nicht exakt bezifferbares Risiko. Dies ist eigentlich total schade, denn die Kletterei ist echt sehr schön und es handelt sich mit Sicherheit um eine der besten Routen in der östlichen Südwandplatte. Als Fazit verbleibt, dass man diese Tour dringend sanieren sollte, damit man sie wieder sicher beklettern und auch entsprechend geniessen kann. Was gibt es dabei zu tun? Ganz zwingend müssen alle BH durch solides Inoxmaterial ersetzt werden. Zudem sollte man auch die Standplätze unbedingt an bessere Orte verschieben. Aktuell sind diese wirklich total doof inmitten von plattigstem Gelände platziert, einfach total unbequem und meist auch sehr ungünstig fürs Los- und Weiterklettern. Und der Witz ist noch, dass in jedem Fall in maximal 2-3m Umkreis der jetzigen Stände eine bessere Lösung gefunden werden könnte, wo man zumindest einigermassen bequem auf den Füssen stehen kann. Während die meisten Zwischensicherungen brauchbar platziert sind und man diese relativ problemlos 1:1 ersetzen kann, so gibt es doch auch ein paar wenige BH, welche ungünstig stecken, deswegen zwingende Schlüsselstellen 2-3m über dem Haken kreieren und absolute Beherrschung einer plattigen 7a erfordern. Würde man hier die Bolts logisch und für die Wiederholer freundlich setzen, was sich wohl sogar bei Beibehaltung der aktuellen Hakenzahl realisieren lässt, so käme man mit einer 6b/+ obligatorisch durch und hätte eine xxxx-Absicherung. Angesichts der Tatsache, dass die Route gemäss meinen Informationen von oben kommend eingebohrt wurde und eh schon 50 BH stecken, wäre es meines Erachtens sogar ein Muss, dies zu tun - ansonsten ist es einfach unfaire Hartmacherei, vor allem wenn der Erschliesser die zwingenden Stellen gar nicht im Vorstieg erstbegangen hat.

Typischer Standplatz in der Route. Die BH sind nur M8, die Plättli Marke Eigenbau oder kletterfremdes Material.
Nun denn, aufs Internet kann man natürlich noch viel schreiben, deswegen wachsen an der Schafbergwand keine neuen Bolts aus dem Fels. Die Sanierung der Garten Eden stellt doch eine gewisse Aufgabe dar, denn schliesslich fallen Materialkosten von 300-400 CHF an, dazu 2 Tage Arbeit für 2 Personen (à je 600 CHF), sowie die Fahrspesen. Wenn man die Arbeit mitrechnet, so ist man summa summarum rasch bei einem Betrag von rund 3000 CHF, welche diese Sanierung kostet. Die Frage ist halt, wer wirft das auf, oder wer macht sowas freiwillig und unentgeltlich?!? Ich für meinen Teil hätte jetzt durchaus Motivation, Zeit, Können, Material und einen Partner, um diese Route aufzupeppen. Unsere Arbeitskraft müsste man nicht bezahlen, das wäre quasi unser Beitrag ans Gemeinwohl und schliesslich ist es doch ein Tag in den Bergen, an welchen man sich erinnern wird, und der trotz der harten Arbeit Erlebnis- und Erholungswert besitzt. Andererseits habe ich aber auch wenig Lust, mich bei diesem Service für die Allgemeinheit noch in Unkosten zu stürzen, und die BH selber zu berappen. Für Erstbegehungen keine Frage, da zahle ich jeweils alles Material selbst und habe über die letzten Jahre stets einen Tausender pro Jahr aus der eigenen Kasse finanziert (und bis auf ganz wenige kleine Spenden von wohlgesinnten Einzelpersonen nie etwas zurückerhalten). Darum möchte ich an dieser Stelle einen Spendenaufruf für die Sanierung des Garten Eden platzieren. Sobald die Materialkosten von 300-400 CHF zugesichert sind, werden wir diese Sanierung an die Hand nehmen. Ist jetzt auch nicht so, dass dies unbedingt von einer einzelnen Person finanziert werden muss/soll. 8x50 CHF oder 20x20 CHF ergeben schliesslich auch den benötigten Betrag, also kann hier jeder etwas beitragen, der von tollen, herausfordernden aber trotzdem sicheren alpinen Sportkletterrouten begeistert ist. Wer sich an den Kosten für die Sanierung beteiligen will, soll sich doch bitte bei mir melden (Kontaktmöglichkeit siehe beim Kommentarfeld). Es wäre doch super, wenn man mit einem Crowdfunding die Sanierung dieser tollen Route erreichen könnte!

Detail der üblichen Haken in der Route. Nur M8, dazu die Gerüstösen (oder sowas) mit wahrscheinlich sehr kurzer Schraube.
Facts

Schafbergwand - Garten Eden 7a (7a obl.) - 6 SL, 165m - F. Umlauft et al. 1991 - ****; xxx
Material: 2x50m-Seil, 10 Express, evtl. Camalots 0.75 & 2 für 1-2 Stellen in L1 und 1 Stelle in L6.

Prächtige Steilplattenkletterei durch den rechten Teil der östlichen Südwandplatte in der Schafbergwand. Sie bietet anhaltende Schwierigkeiten und vorzüglichen, meist kompakten und weitgehend grasfreien Fels. Die BH-Absicherung ist an sich recht gut, leider ist das unzuverlässige Eigenbau-Material inzwischen total verrostet. Ebenso warten 3-4 erzwungene Hartmacher-Einlagen wegen ungünstig platzierten Bolts, so dass schwere Stellen weit über der letzten Sicherung zu meistern sind und der Grad 7a obligatorisch ist. Hier kann man sich bei einem unkontrollierten Sturz auf dem rauhen, wasserzerfressenen Fels schon wehtun, selbst wenn die aktuell schlechten Haken halten sollten. Die (soweit möglich von uns entfernten) Umkehr-Karabiner und -Maillons in L3 sprechen jedenfalls eine eindeutige Sprache.

Samstag, 5. Juli 2014

Lachen lacht (8a)

Diese Woche konnte ich meine 10. Route im achten Franzosengrad rotpunkt durchsteigen - ein Umstand, welcher an dieser Stelle eine kleine Würdigung verdient. In der ersten Session war ich noch chancenlos und konnte nicht einmal alle Züge richtig klettern. Trotzdem hatte ich die Zuversicht, dass diese Route geht und es sich hier lohnt, dran zu bleiben. Für einmal hatte mich meine Intuition nicht getäuscht: in der technischen Boulderpassage an Seitgriffen muss man erst einmal seinen Rhythmus finden, und die richtige Spannung aufbauen damit die Füsse auf den sehr schlechten Tritten bleiben. Zudem muss man für den oberen Routenteil, mit seiner feingriffigen Wandkletterei (ohne die grosse, gutgriffige Schuppe rechts!), sich einen genauen Plan zurechtlegen.


Nachdem sich bei mir in der letzten Woche eine gute Form in Sachen Kraftausdauer aufgebaut hatte, wollte ich unbedingt einen Versuch in der Route starten. Schon aus der Ferne hatte ich die Zuversicht, dass ich dieses Mal, nach ca. 15 Versuchen in der Route, alle Moves am Stück durchziehen kann. Nur war es gar nicht so einfach, die nötige Zeit zu finden. Erst nachdem ich meine Arbeit in eine Nachschicht verschoben hatte, klappte es mit dem Trip an den Fels. Tatsächlich, nachdem ich mich aufgewärmt hatte, war dann gleich der erste Versuch erfolgreich. Beinahe mühelos gelangen mir die schwierigen und heiklen Züge der Boulderpassage, am folgenden Sloperband blieb der dort übliche Pump aus und im oberen Wandteil kletterte ich souverän, so dass ich mir die Butter nicht mehr vom Brot nehmen liess. Coole Sache - nun auf zu neuen Taten, die nächsten Projekte an diesem Cliff und anderswo warten schon!

Routenansicht: die Wand hängt auf 18m Länge rund 1m über. Die griffige Schuppe rechts oben ist wegdefiniert!