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Sonntag, 25. Januar 2015

Skitour Piz Beverin (2998m)

Von richtig grossen und spektakulären Touren im Fels kann ich aktuell nicht berichten, und auch Eis habe ich bisher kaum einmal aus der Ferne (und erst recht nicht aus der Nähe) gesehen. Immerhin ging es dieses Mal weniger als zwei Monate, bis ich zur nächsten längeren Skitour aufbrechen konnte. Den noch sonnigen Samstag Vormittag wollten wir uns nicht entgehen lassen, zu berücksichtigen war jedoch eine Nebeldecke auf gut 2000m sowie die Lawinengefahr, welche sich immer noch auf Stufe erheblich befand.

Aus der düsteren Unterwelt ans Licht gekommen, immer wieder ein erhabener Moment!
Somit war einerseits eine sichere Route gefragt, andererseits wollten wir auch eine vernünftig lange Zeit oberhalb der Nebeldecke verbringen und schön sonnig ausgerichtet sollten die dortigen Hänge auch sein - aus einer Liste mit einem guten Dutzend an Zielen schien uns der Beverin die richtige Wahl, vor allem auch weil alle Mitglieder der heutigen Gruppe dieses begehrte und oft besuchte Ziel noch nie erreicht hatten. Trotz frühem Aufbruch herrschte beim Ausgangspunkt in Mathon schon reger Betrieb. Doch wie sich später zeigen sollte, peilten die meisten Tourengänger (ca. 50 an der Zahl) das Parpeinahorn (2602m) an, während die anderen von dort erreichbaren Gipfel kaum Besuch erhielten.

Unterwegs über den Rücken zum Piz Beverin, im Bild der Vorgipfel Beverin Pintg (2587m).
Als wir starteten, da befanden wir uns wie erwartet unter der grauen Hochnebeldecke. Die Schneelage war vom Dorf weg ausreichend für Aufstieg und Abfahrt, als besonders üppig kann man die weisse Decke jedoch nicht bezeichnen. Etliche Gruppen passierend gelangten wir auf einem komplexen Spurnetzwerk, auf dessen Dichte sogar die SBB neidisch sein dürfte, in die Höhe. Etwas erstaunt, aber natürlich umso mehr erfreut nahmen wir nach dem Abzweiger zum Parpeinahorn zur Kenntnis, dass der Beverin noch unberührt war und wir somit die Spurarbeit zu übernehmen hätten. Dies war nun meine 10. Skitour der Saison 14/15, und auf jeder davon durfte ich im Aufstieg tatsächlich meine eigene Linie ziehen :-)

Das Special Feature dieser Tour ist die 12m hohe Leiter, dank welcher ein schwieriger Felsriegel überwunden wird.
Für uns hiess es indessen erst einmal in den dicken Nebel einzutauchen. Ab etwa 2000m betrug die Sichtweite meist keine 50m, teilweise wahrscheinlich kaum 20m. Gut waren wir da bereits auf dem Beverin-Rücken etabliert, wo es einerseits keine Orientierungsprobleme gab, und auch keine Steilhänge lauerten, wo man sich mangels Sicht drin hätte verirren können. Auf rund 2250m liessen wir die dicke weisse Masse hinter uns, es grüsste ein stahlblauer Himmel mit top Fernsicht. Immer wieder ein erhabener Moment, wenn man auf diese Weise aus der Unterwelt ans Licht kommt!

Runzeln im Schnee = Runzeln auf der Stirn. Im Gelände waren zahlreiche Spuren von spontaner Lawinenaktivität sichtbar und viele Hänge waren mit Triebschnee geladen. Die Route über den Rücken zum Beverin kann jedoch weitgehend als lawinensicher betrachtet werden. Sie war am Tag unserer Begehung problemlos.
Nach einem kurzen Vesper warteten erst etwas steilere Hänge zum Beverin Pintg (2587m). Diese waren lawinentechnisch jedoch komplett unbedenklich, denn auf diesem Rücken sammelt sich logischerweise kein Triebschnee, er wird in die NE- oder SW-Hänge verblasen. Über den wenig breiten Rücken schreitet man dem Gipfel entgegen und richtig, irgendwann sollte ja dann diese ominöse Leiter kommen. Doch bis man unmittelbar davor steht, würde man hier keineswegs den ohne Leiter kaum passierbaren Abgrund vermuten - es sind zwar nur rund 10m, doch ohne die künstlichen Hilfsmittel wäre hier also seriöse Kletterei notwendig. 

What a place to be! Hammergeniale Gipfelrast auf dem Piz Beverin (2998m).
Nachdem wir die Stufe passiert hatten, warteten noch die letzten 240hm am Gipfelhang auf uns. Nach gerade rund 3 Stunden Aufstiegszeit erreichten wir erst den Wegweiser und dann den Gipfelsteinmann. Genau wie letzte Woche ging hier oben wieder ein schneidiger Wind, dieses Mal aus NE und er hätte einen innert Kürze das Weite suchen lassen. Glücklicherweise musste man aber nur ein paar Höhenmeter in die SE-Flanke absteigen, wo wir unsere Brote bei einer Top-Aussicht geniessen konnten. Familiäre Verpflichtungen (bei mir war es ein Termin zum Pisten-Skifahren) begrenzten jedoch den zeitlichen Rahmen des Gipfel-Aufenthaltes.

Auch auf der Gipfelabdachung gab es ein paar schöne Schwünge, der Schnee hier aber eher windgeprägt (aka "bester Presspulver").
Auf dem oberen Hang bis zur Leiter und auch dem unteren bis zum Beverin Pintg war der Schnee für die Abfahrt öfters etwas wechselhaft. Wie so oft hatte der Wind hier seine Spuren hinterlassen. Mit einem guten Auge liess sich aber immer wieder etwas Pulver für schöne Schwünge finden. Nur auf noch nicht komplett eingeschneite Steine musste im oberen Abschnitt acht gegeben werden, ansonsten hätte man dort gratis einen neuen Schliff verpasst erhalten. Die Abfahrtsvariante vom Fuss der Leiter über die steilen E-Hänge zur Alp digl Oberst war bei den herrschenden Verhältnissen undenkbar. Also ging die Leiter hinauf und dann über den Rücken weiter. Vom Beverin Pintg wählten wir dann die Westhänge ins Tal der Alp Nursin, hier konnten wir tatsächlich noch seidenfeinen Pulver geniessen.

Unterhalb vom Beverin Pintg wartet dann seidenfeiner, gesetzter Pulver - ein Traumhang!
Auf 2150m tauchten wir dann erneut in die immer noch äusserst kompakte Suppe ein und traversierten quasi im Blindflug retour nach Osten. Nach rund 150hm wurde die Sicht endlich wieder besser, und auf dem letzten Abschnitt hinunter ins Dorf gab es dann nochmals schöne, pulvrige Schwünge. Das war jetzt eine wirklich lässige Tour gewesen, skifahrerisch wird sie wohl nicht in die absoluten Saison-Highlights eingehen, aber landschaftlich war es wirklich einmalig gewesen und toll auch, dass wir diesen vielbesuchten Berg sogar anspuren konnten.

Facts

Piz Beverin (2998m) von Mathon (1527m) am Schamserberg
Schwierigkeit ZS-, 1500hm, 3-4 Stunden Aufstiegszeit

Aufstiegsroute zum Piz Beverin

Montag, 19. Januar 2015

Skitour Schafläger

Zwei Monate und ein paar Voralpentouren später kommt die Chance für die nächste längere Skitour. Ein Schneesturm hat je nach Region 20-100cm der weissen Pracht deponiert. Am ersten schönen Tag danach setzen wir auf Sonne, Pulvergenuss und Einsamkeit. Ein offener Südhang soll es sein, abseits der beliebtesten Modetouren und in einer Region, wo der Neuschneezuwachs mit 40cm üppig aber nicht übertrieben ausfällt. Selbstverständlich gilt es auch die Lawinengefahr auf Stufe erheblich zu berücksichtigen, aber doch Hänge mit genügend Steilheit auszupeilen, so dass genussreich Ski gefahren werden kann. Unsere Wahl fällt aufs Bündnerland, wo wir nicht enttäuscht werden.


Nach 1250hm strenger, aber sehr schöner Spurarbeit im perfekten Wintertraum erreichen wir den Gipfel in einer vollkommen menschenleeren Gegend. Hier oben ist einzig der schneidige Südwind dem Genuss abträglich. Damit uns der Nasenspitz nicht einfriert, machen wir uns zügig wieder von dannen. Der Pulverschnee fährt sich so genussreich wie erhofft, einzig die letzten Hänge gegen den Talgrund hin sind schon etwas schwer und feucht geworden. Wow! Total happy geht's nach Hause, unterwegs locken sogar schon wieder einige von der Sonne beschienene Felsen und das Thermometer zeigt auch +6.0 Grad. Es juckt in den Fingern - aber nein, heute nicht.



Freitag, 16. Januar 2015

Galerie - Chalance (7b+) & Nonchalance (6b)

Der noch ungekletterte Bauch im rechten Waldsektor oberhalb der Galerie, zwischen den Routen Petit Toit (6c) und Voltige (6a)  war mir schon vor längerer Zeit aufgefallen und hatte mein Interesse geweckt. Da ich aber über längere Zeit mit anderen Projekten beschäftigt war, hatte ich diese Sache für später aufgehoben. Nachdem aber die Rotpunkt-Begehung der Thai City (8a) geglückt war, ging ich der Sache auf den Grund. Dabei sind nun, je nachdem wie man es nimmt, eine oder gleich zwei Neutouren entstanden.

Der Blick beim Schuhe wechseln vom Fuss der Route auf den blauen Winterhimmel, die beste Zeit um hier zu klettern!
Die Sache entpuppte sich nämlich als wie folgt: der mich interessierende Bauch liess sich zwar tatsächlich klettern, jedoch nur an seinem linken Rand und damit in bedenklicher Nähe zur griffigen Schuppe des Petit Toit, welche ihn mehr oder minder zur Trivialität macht. Somit kam natürlich die Frage auf, was und wie hier denn einzurichten wäre. Zur Wahl standen die folgenden Möglichkeiten:
  1. Fokus auf die bouldrigen Züge über den Bauch. Damit die Route auch so geklettert werden muss wie angedacht, d.h. ohne die griffige Schuppe, werden die Haken einfach so weit rechts gesetzt, dass sie von dort unmöglich zu klinken sind. 
  2. Vergessen der Direktvariante über den Bauch und einrichten einer schönen, gut zu kletternden 6b-Route. Wer will denn schon definiert 1-2m neben den guten Griffen vorbeiklettern, zudem in einem Grad der den meisten Besuchern vor Ort sowieso zu schwierig ist. 
  3. Kompromissvariante, die Haken werden so gesetzt, dass sie sowohl von der griffigen Schuppe wie auch aus der Direktvariante gut einzuhängen sind. Damit kann jeder klettern was er will. Die beiden Routen erhalten je einen separaten Namen und eine separate Bewertung.
Wie man unschwer folgern kann, habe ich mich schliesslich für die Kompromissvariante entschieden. Für die einfachere Nonchalance steigt man ein, klettert den Haken nach und benützt ganz ungezwungen alle Griffe, welche sich anbieten. Insbesondere behilft man sich am Bauch der griffigen Schuppe links. So klettert man eine lohnende 15m-Tour, die für den Grad ziemlich athletisch ist. Als Bewertung würde ich eine 6b vorschlagen, jedenfalls ist's meiner Meinung nach einfacher wie Immigrant (6b+), Emigrant (6b+) oder Rollstuhlfahrer (6c). In Stein gemeisselt ist das aber nicht, ich habe bisher noch nicht einmal eine Zweitmeinung erhalten, Feedback ist deshalb also durchaus erwünscht.


Ich schreibe den Leuten eigentlich sehr ungern vor, was sie wie oder wo zu klettern haben. Wer sich aber die Chalance ins Tourenbuch eintragen möchte, der muss den Bauch oben direkt klettern und darf die griffige Schuppe links nicht benützen, weder für die Hände noch für die Füsse. Ebenso habe ich den absolut hässlichen Kunstgriff unterhalb vom Bauch nicht gebraucht und bin direkt, oben sogar eher rechts vom letzten Haken gestiegen. So finde ich die Züge über den Bauch am lohnendsten und auch total eigenständig. Möglicherweise gäbe die Alternative, im Spalt, ohne sich an der griffigen Schuppe selber zu halten, nach Griffmöglichkeiten zu suchen um dann links oben an Leisten und Henkel zu gelangen - das habe weder ausprobiert, verifiziert noch geputzt, weil mir die Chalance auf diese Weise definitiv zu gesucht wäre. Mit den von mir benutzten Strukturen schätze ich die Bewertung der Chalance auf 7b+. Auch dieser Vorschlag ist unbestätigt, so dass weitere Stimmen sehr willkommen sind. Der Klarheit halber befindet sich unter diesem Link noch eine kurze Beschreibung meiner Lösung - Onsight-Aspiranten sollten das eher nicht lesen :-)

Tja, und zuletzt noch ein Disclaimer: wem das alles zu kompliziert ist oder wer definierte Touren einen Mist findet, der nehme zur Kenntnis, dass es im Wald eine neue 6b gibt, welche man ganz nonchalant klettern kann. Wer (wie ich) in dieser Zone schon die meisten Touren kennt und sich an einigen spannenden, bouldrigen Moves erfreuen kann, für den gibt es die Möglichkeit seine Fähigkeiten an einer neuen Variante im Bereich 7b+ zu testen. Klar, aufgrund dieser Ausgangslage ist es sicher nicht die beste Route der Welt, interessant fand ich es aber allemal und eben: jeder wie er will - somit können wir die Grundsatzdiskussionen hoffentlich beiseite lassen. 

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