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Sonntag, 20. Juli 2014

Sanierung Garten Eden

Leider war das Echo nach meinem Sanierungsappell für die Route Garten Eden an der Schafbergwand sehr gering. Es meldeten sich nur gerade 5 Personen, umso mehr möchte ich Euch, Oli, Stefi, Adi, Kornelius und Markus, einen herzlichen Dank aussprechen. Wie immer dachten wohl die meisten, dass nur die anderen zuständig sind. Etwas betrüblich im Angesicht der Tatsache, dass dieser Blog täglich von einer vierstelligen Zahl an Besuchern frequentiert wird, und meine Topos jeweils von mehreren Hundert Personen auf ihren Festplatten gespeichert werden. Trotzdem war ich aber motiviert, die Route aus dem Dornröschenschlaf zu wecken, und mit zuverlässigen Haken auszustatten. Dank einigen grösseren Beiträgen waren die Unkosten mehr oder weniger gedeckt. Und mit Werner Küng, dem Autor des SAC-Kletterführers Alpstein, konnte ich einen äusserst kompetenten Partner für die Ausführung finden.

An diesen Häklein mussten man die Route bisher klettern. Total unzuverlässiges Material mit minimaler Haltekraft.
Nachdem der Monsun vorüber war, wir früh aus den Federn gekommen waren und heftig Eisen an den Wandfuss geschleppt hatten, konnte es losgehen. Unsere Absicht war es, gleich die ganze Route in einem einzigen Tag zu sanieren. Die Taktik bestand darin, dass ich die Route im Vorstieg mit meiner Maschine am Gurt klettern würde. Wo aus Gründen der Sicherheit nötig, würde ich gleich neue Haken bohren und auch die Standplätze an bessere Orte verlegen. An allen anderen Stellen markierte ich nur die Position der neu zu bohrenden Haken, welche dann von Werner am fixierten Seil ersetzt wurden. Sein Nachsteigen mit den Jümars liess mir natürlich die Hände frei, so dass ich mich meist Ablassen und auch noch einige Haken ersetzen konnte, oder dann einige andere, wichtige Nebenarbeiten erledigen konnte. Dementsprechend ging es flott voran, und wir konnten die Sanierung tatsächlich in einem einzigen Tag abschliessen. Und sie war bitter nötig: die meisten Haken waren M8-Selbstbohrdübel, in welche eine Öse mit einem 15mm langen und an der dünnsten Stelle 6mm dicken Gewindestift geschraubt war. So etwas war schon zu Zeiten der Erstbegehung 1991 nicht der übliche Standard. Nachdem nun auch noch der Zahn der Zeit an diesem Schrott genagt hatte, genügten ein paar wenige, kräftige Hammerschläge zum Abbrechen der Haken. Was das im Sturzfall geheissen hätte? Wirklich zu beantworten mag ich diese Frage nicht. Hingegen weiss ich aus eigener Erfahrung, dass ein qualitativ guter, einwandfrei gesetzter A4-Inoxanker mit einem Hammer nicht abzuschlagen ist. Und das gibt einem doch ein deutlich besseres Gefühl, denn schliesslich hängt ja doch unser Leben an den Dingern!

video

Was haben wir also genau gemacht? Schliesslich war es so, dass wir jeden Standplatz der Route an einen anderen Ort verschoben haben. Keiner ist aber mehr als 3m vom alten Platz entfernt und auch wenn nicht jeder ein absoluter Deluxe-Stand mit Sitzgelegenheit und allem Komfort ist, so kann man jetzt doch immerhin überall vernünftig stehen. Alle gefährlichen Stellen haben wir durch bessere Platzierung der Haken entschärft, und auch zwei, drei vorher zwingende Passagen sind durch faires Platzieren der Haken verschwunden. Nun passt auch die Angabe von 6b obligatorisch, so wie vom Erstbegeher gewollt. Nicht wesentlich verändert hat sich hingegen die Hakenanzahl. Es stecken jetzt rostfreie A4-Anker der Dimension 10x90mm, ein Material, welches in Bezug auf die Korrosion sicher die nächsten 100 Jahre überdauert. Hingegen ist durch die Sanierung die im SAC-Führer erwähnte Möglichkeit mit einem 55m-Einfachseil abzuseilen verloren gegangen. Wie lange ein Einfachseil nun sein müsste, damit man wieder runterkommt, vermag ich nicht zu garantieren. Sicher würden 70m reichen, 60m vermutlich auch. Sinnvollerweise rückt man aber mit 2x50m-Seil an, darauf ist die Abseilerei mit 3 Manövern nämlich perfekt ausgelegt.

Bolting on lead bei der Sanierung, hier die erste Crux der 7a-Länge. Den alten BH konnte man leider erst danach bzw. gar nicht auf eine vernünftige Art und Weise einhängen.


Aktualisierte Routenbeschreibung

Der Einstieg befindet sich immer noch ganz rechts bei den östlichen Südwandplatten, dort wo das Band am Wandfuss in einer kaminartigen Rinne aufgeht. Am Einstieg steckt nun ein Bohrhaken, auf dessen Plättli der Routenname eingraviert ist. Danke Stefi für diese prompte Spezialanfertigung!

L1, 35m, 6b: Schöne Kletterei, auch wenn der Fels noch nicht ganz so kompakt ist und man ab und zu an einem Grasbüschel vorbeiklettert. Die Schwierigkeiten bestehen aus einer plattigen Querung am dritten BH und Mantle an einer Schuppe weiter oben.

L2, 25m, 6a: Vom Charakter ähnlich wie L1, mit einer für 6a schweren Stelle gleich nach dem Stand. Hier hilft es, wenn man etwas links ausholend klettert. Man steigt dann aufs Grasband aus, klippt dort (für den Nachsteiger zwingend!) einen Haken an der oberen Wand und steigt etwas nach links ab, wo sich nun ein gut eingerichteter Stand (nochmals mit Namensplakette) befindet.

Routenverlauf und Position der Garten Eden am Berg.
L3, 30m, 7a: Die Cruxlänge bietet sehr schöne Steilplattenkletterei in kompaktem Fels. Bei anhaltender Kletterei gibt es 3 deutliche Schlüsselstellen, welche nun nach der Sanierung nicht mehr zwingend zu meistern sind. Ich vermute, dass diese Länge mit 7a eher generös bewertet ist. Allzu hart schien es mir nicht, aber vielleicht lag es auch dran, dass ich nun die entscheidenden Stellen schon kannte.

L4, 25m, 6c: Ebenfalls eine sehr schöne Länge in perfektem Fels. Die früher heikle Crux konnte durch sinnvolle Hakenplatzierung entschärft werden und folgt nun direkt nach dem zweiten BH. Gewusst wie und mit einer zuverlässigen Sicherung ausgestattet, war es nun gar nicht mehr so wild. Der Stand wanderte vom maximal unbequemen Plattenschuss auf die kommode Grasmutte linkerhand.

In der sehr schönen L4 (6c), das Bild allerdings vom letzten Mal und nicht vom Sanieren.
L5, 30m, 6c+: Erneut fantastische Plattenkletterei in kompaktem Fels. Der Auftakt über ein Dächlein hinweg entpuppt sich als erstaunlich gängig, bevor eine nun gut gesicherte Reibungscrux gefühlvolles Antreten verlangt. Zuletzt dann in anhaltender 6b-Kletterei an Wasserrillen und der einen oder anderen Griffschuppe zum Stand auf schmaler Fussleiste.

L6, 25m, 6c: Das Schlussbouquet wartet nochmals mit prima Kletterei auf, die mit nun verbesserter Hakenplatzierung deutlich aufgewertet werden konnte, weil man nicht mehr auf die Vegetation linkerhand angewiesen ist. Zuletzt hat die Wand dann weniger und weniger Struktur und verlangt noch einige gefühlvolle Züge zum Abschlussstand hin.

Kompakte Plattenkletterei in L5 (6c+), ebenfalls vom letzten Mal und nicht beim Sanieren.
Hier, ganz am Ende nahmen wir den grössten Eingriff in die alte Route vor. Nach langem Abwägen kamen wir zu einem gemeinsamen Entschluss, setzten den Stand 3m tiefer als früher und eliminierten damit die letzte, beinahe unmögliche Stelle. Diese hatte ich schon letztes Mal als einzige Stelle nicht klettern können. Nachdem ich mich nun erneuten an den alten Stand hochgetecht hatte, suchte ich eine halbe Stunde lang nach einer Freikletter-Lösung, konnte aber, egal wie und wo, keine finden. Wohl bemerkt hatte ich alle anderen Moves in der Route bereits beim ersten Mal auf Anhieb klettern können. Die im Topo angegebene 6c+ ist also mit Sicherheit nicht korrekt. Damit man diese Stelle ohne Mühe und Gewürge bewältigen kann, hätten wir noch zwei zusätzliche Haken setzen müssen, mit welchen man die letzten 3m der Route dann A0 bewältigt hätte. Dies schien uns aber sinnlos, da der alte Stand auch irgendwo im Nirgendwo war, d.h. an keinem logischen Platz und total unbequem dazu. Wer jetzt die ethische Moralkeule schwingen will, der darf a) die Arbeit das nächste Mal selber und besser machen und b) die Stelle trotzdem noch klettern. Perfekt am neuen Inox-BH gesichert (auf selber Höhe wie der ursprüngliche letzte Zwischen-BH) klettert jeder der will diese unmögliche Stelle hinauf zum alten Stand. Dort habe ich den besseren der beiden Standhaken mit einem Umkehrkarabiner belassen, so dass man sich problemlos zum neuen, bequemeren Stand ablassen kann. No Problems also, wobei jeder Normalo ganz bestimmt froh darum ist, die Route nun in freier Kletterei am logischen Endpunkt beenden zu können.



Facts

Schafbergwand - Garten Eden 7a (6b obl.) - 6 SL, 165m - F.Umlauft 1991, saniert M.Dettling & W.Küng 2014 - ****; xxxx
Material: 2x50m-Seil, 10 Express.

Prächtige Steilplattenkletterei durch den rechten Teil der östlichen Südwandplatte in der Schafbergwand. Sie bietet anhaltende Schwierigkeiten und vorzüglichen, meist kompakten und weitgehend grasfreien Fels der vom Wasser zerfressen ist und ein hervorragende Reibung aufweist. Es handelt sich nach meiner Einschätzung um eine der lohnendsten, wenn nicht die aktuell lohnendste Route dieses Sektors. Die BH-Absicherung ist nach der Sanierung nun als vorzüglich zu bewerten, es ist nur mehr (aber immer noch!) der Grad 6b obligatorisch.

Montag, 7. Juli 2014

Schafbergwand - Garten Eden (7a)

Quasi schon wieder an die Schafbergwand - das ist in der Tat etwas erstaunlich wenn man weiss, dass ich die Vielfalt der Gebiete bevorzuge und ungern kurz hintereinander dieselben Felsen besuche. Zudem ist der Schafberg auch eher ein Ziel für die Nebensaison, bzw. lässt es sich hier früh und spät im Jahr gut klettern. Im Juli hingegen, da kann man grössere Ambitionen zeigen. Doch leider nicht an diesem Tag, starker Föhn war angesagt, dazu heftige Gewitter am Nachmittag und sowieso hiessen uns familiäre Verpflichtungen, am späteren Nachmittag wieder daheim zu sein. Trotzdem wollten wir eine spannende MSL klettern, und da ist die Schafbergwand unter diesen Voraussetzungen dann eben das logische Ziel.

Hinweis: die Inhalte in diesem Bericht und die Routenbeschreibung sind nicht mehr aktuell, weil ich die Route zusammen mit Werner Küng im Juli 2014 saniert habe. Aus Gründen der Vollständigkeit lasse ich das hier geschriebene aber unverändert stehen. Wer sich über die aktuelle Route informieren will, findet im neuen Bericht Erhellung.

Die Schafbergwand mit der Route Garten Eden. Das Foto ist vom April 2012, inzwischen liegt natürlich längst kein Schnee mehr.
Bei Föhnlagen ist die Schafbergwand ein sehr gutes Ziel. Das Ost/West ausgerichtete Toggenburg ist kein Föhnkanal, zudem ist die Gegend um Wildhaus offen, man befindet sich auf der Luvseite des Mini-Gebirges Alpstein und die Wand ist weit von einer Kammlage entfernt. Während anderswo Windspitzen von über 100km/h registriert wurden, blieben wir tatsächlich unbehelligt, der Föhn war kein Faktor. Und da auch bald hohe Schleierwolken den Himmel überzogen und die Gewitter bis abends ausblieben, konnten wir tatsächlich bei besten Bedingungen agieren. Der Tag begann mit (den Umständen geschuldetem frühem) Aufstehen um 5.15 Uhr, so dass wir um rund 8.30 Uhr mit dem Klettern beginnen konnten. Der Einstieg befindet sich ganz rechts bei den östlichen Südwandplatten, dort wo das Band am Wandfuss in einer kaminartigen Rinne aufgeht.

L1, 30m, 6b: Schöne Kletterei, auch wenn der Fels noch nicht ganz so kompakt ist und man ab und zu an einem Grasbüschel vorbeiklettert. Die Schwierigkeiten bestehen aus einer plattigen Querung am dritten BH und einem zwingenden, etwas kühnen Mantle weiter oben. Der Stand ist sehr unbequem.

In L1 (6b) bereits schöne Kletterei, auch wenn hier noch der eine oder andere Grasbüschel auf der Linie spriesst.
L2, 25m, 6a: Vom Charakter ähnlich wie L1, mit einer für 6a schweren Stelle in der ersten Hälfte. Man steigt dann aufs Grasband aus, klippt dort einen Haken an der oberen Wand und steigt am besten etwas nach links ab, wo man direkt unter der BH-Linie von L3 einen einsamen Stand-BH im Gemüse findet.

L2 (6a, etwas unterbewertet, eher 6a+) ist von Charakter und Schönheit her ähnlich wie L1.
L3, 30m, 7a: Die Cruxlänge bietet sehr schöne Steilplattenkletterei in kompaktem Fels. Bei anhaltender Kletterei gibt es 3 deutliche Schlüsselstellen, wobei die ersten beiden absolut zwingend zwischen den BH zu meistern sind. Schwerer wie 7a sind die Moves nicht, dafür aber ein klarer Fall von 7a obligatorisch! Der Stand ist sehr unbequem.

Anhaltende Kletterei durch die kompakte Knallerplatte von L3 (7a), welche zusätzlich 3 markant schwere Einzelstellen bereithält.
L4, 25m, 6c: Ebenfalls eine sehr schöne Länge in perfektem Fels. Die Crux liegt in einem heiklen Aufsteher zwischen erstem und zweitem BH. Wer das nicht gebacken kriegt, prallt mit der Sicherungsperson zusammen. Mein Kletterpartner rutschte "zum Glück" schon früh genug ab, d.h. schon 1m vor der schwersten Stelle, und verfehlte mich um Haaresbreite. Der Stand ist unbequem.

Ich habe geschrieben, der Fels sei perfekt und die Kletterei super. Sieht man dieses Bild aus L4 (6c), so glaubt man es wohl auch?!
L5, 30m, 6c+: Erneut fantastische Plattenkletterei in kompaktem Fels. Der Auftakt an der SU vorbei geht noch gut, doch bald darauf sind die BH sehr ungünstig platziert, so dass die heikle Reibungscrux zwingend gemeistert werden muss. Zuletzt dann gut abgesichert in anhaltender 6b-Kletterei zum sehr unbequemen Stand.

Für einmal die Gegenperspektive, yours truly im Vorstieg in L5 (6c+).
L6, 25m, 6c+: Das Schlussbouquet wartet nochmals mit prima Kletterei auf, auch wenn die Qualität hier nicht mehr ganz so gut ist wie in L2-L5. Geht es erst noch gut dahin, nur das Einhängen eines suboptimal platzierten BH stellt Probleme, so ist die Wand vom letzten BH zum sehr unbequem und unlogisch platzierten Ausstiegsstand dann total glatt. Diese Stelle war nach unserem Dafürhalten die schwerste Einzelstelle der Tour. Vielleicht ging es mal besser, als die Griffe an der Kante zur Vegetation rechts oben/aussen geputzt und nutzbar waren, aber dem ist leider längst nicht mehr so.

Zum Abschluss noch die tolle L6 (6c+), gegen Ende wird der Fels immer glatter und Struktur/Rauhigkeit verschwinden.
Erst um 13.30 Uhr waren wir am Top angekommen, die Kletterei hatte also doch 5 Stunden in Anspruch genommen. Erklären lässt sich dies gut, die Kletterei ist nämlich anhaltend schwer und knifflig. Auch wenn die Schwierigkeiten etwas tiefer liegen als im kürzlich von mir gekletterten Tanz auf dem Regenbogen, so gibt es doch keine "geschenkten Meter" und der Weiterweg will stets sorgfältig überlegt sein. Und dann vor allem eines: die Qualität des Hakenmaterials ist einfach grottenschlecht, was doch einige Zusatzmanöver erforderte! Es handelt sich um total verrostete M8-Kronenbohrhaken, welche entweder mit Gerüstösen oder Eigenbau-Plättli ausgestattet sind. Wie viel wohl deren Haltekraft noch beträgt?! Man kann nur darüber mutmassen. Wir behalfen uns mit der Taktik, dass immer mindestens 3 BH eingehängt sein müssen, und ein Sturz in den Stand absolut tabu ist. Dies liess sich mit dem Vorklippen des jeweils ersten BH der nachfolgenden Länge bewerkstelligen. Zudem wollten wir auch weite Stürze in die schlechten Haken vermeiden, und da uns insbesondere auch die Kunde von teils ungünstig platzierten, schlecht zu klippenden BH und zwingenden Schlüsselstellen zu Ohr getraten war, führten wir auch unseren Zauberstab mit. Ich hatte ihn im Vorstieg 4x eingesetzt, um jeweils schon deutlich über dem letzten BH aus der Kletterstellung ein paar Exen in die schlecht platzierten BH einzuhängen, konnte dann das Seil von einem guten Tritt aus entspannt klippen und jeweils sogar ohne die Sicherungskette zu belasten weiterklettern. Man halte davon, was man will, ich hätte mich jedenfalls bei diesem schlechten Hakenmaterial diese 4 Stellen ohne das Hilfsmittel nicht getraut.

Sanierungsappell

In diesem Zustand fällt es mir schwer, die Route zu empfehlen. Ich würde nur unter den entsprechenden Vorsichtsmassnahmen einsteigen, bzw. wenn man die Schwierigkeiten absolut im Griff hat. Auch dann bleibt wegen dem Material ein gewisses, nicht exakt bezifferbares Risiko. Dies ist eigentlich total schade, denn die Kletterei ist echt sehr schön und es handelt sich mit Sicherheit um eine der besten Routen in der östlichen Südwandplatte. Als Fazit verbleibt, dass man diese Tour dringend sanieren sollte, damit man sie wieder sicher beklettern und auch entsprechend geniessen kann. Was gibt es dabei zu tun? Ganz zwingend müssen alle BH durch solides Inoxmaterial ersetzt werden. Zudem sollte man auch die Standplätze unbedingt an bessere Orte verschieben. Aktuell sind diese wirklich total doof inmitten von plattigstem Gelände platziert, einfach total unbequem und meist auch sehr ungünstig fürs Los- und Weiterklettern. Und der Witz ist noch, dass in jedem Fall in maximal 2-3m Umkreis der jetzigen Stände eine bessere Lösung gefunden werden könnte, wo man zumindest einigermassen bequem auf den Füssen stehen kann. Während die meisten Zwischensicherungen brauchbar platziert sind und man diese relativ problemlos 1:1 ersetzen kann, so gibt es doch auch ein paar wenige BH, welche ungünstig stecken, deswegen zwingende Schlüsselstellen 2-3m über dem Haken kreieren und absolute Beherrschung einer plattigen 7a erfordern. Würde man hier die Bolts logisch und für die Wiederholer freundlich setzen, was sich wohl sogar bei Beibehaltung der aktuellen Hakenzahl realisieren lässt, so käme man mit einer 6b/+ obligatorisch durch und hätte eine xxxx-Absicherung. Angesichts der Tatsache, dass die Route gemäss meinen Informationen von oben kommend eingebohrt wurde und eh schon 50 BH stecken, wäre es meines Erachtens sogar ein Muss, dies zu tun - ansonsten ist es einfach unfaire Hartmacherei, vor allem wenn der Erschliesser die zwingenden Stellen gar nicht im Vorstieg erstbegangen hat.

Typischer Standplatz in der Route. Die BH sind nur M8, die Plättli Marke Eigenbau oder kletterfremdes Material.
Nun denn, aufs Internet kann man natürlich noch viel schreiben, deswegen wachsen an der Schafbergwand keine neuen Bolts aus dem Fels. Die Sanierung der Garten Eden stellt doch eine gewisse Aufgabe dar, denn schliesslich fallen Materialkosten von 300-400 CHF an, dazu 2 Tage Arbeit für 2 Personen (à je 600 CHF), sowie die Fahrspesen. Wenn man die Arbeit mitrechnet, so ist man summa summarum rasch bei einem Betrag von rund 3000 CHF, welche diese Sanierung kostet. Die Frage ist halt, wer wirft das auf, oder wer macht sowas freiwillig und unentgeltlich?!? Ich für meinen Teil hätte jetzt durchaus Motivation, Zeit, Können, Material und einen Partner, um diese Route aufzupeppen. Unsere Arbeitskraft müsste man nicht bezahlen, das wäre quasi unser Beitrag ans Gemeinwohl und schliesslich ist es doch ein Tag in den Bergen, an welchen man sich erinnern wird, und der trotz der harten Arbeit Erlebnis- und Erholungswert besitzt. Andererseits habe ich aber auch wenig Lust, mich bei diesem Service für die Allgemeinheit noch in Unkosten zu stürzen, und die BH selber zu berappen. Für Erstbegehungen keine Frage, da zahle ich jeweils alles Material selbst und habe über die letzten Jahre stets einen Tausender pro Jahr aus der eigenen Kasse finanziert (und bis auf ganz wenige kleine Spenden von wohlgesinnten Einzelpersonen nie etwas zurückerhalten). Darum möchte ich an dieser Stelle einen Spendenaufruf für die Sanierung des Garten Eden platzieren. Sobald die Materialkosten von 300-400 CHF zugesichert sind, werden wir diese Sanierung an die Hand nehmen. Ist jetzt auch nicht so, dass dies unbedingt von einer einzelnen Person finanziert werden muss/soll. 8x50 CHF oder 20x20 CHF ergeben schliesslich auch den benötigten Betrag, also kann hier jeder etwas beitragen, der von tollen, herausfordernden aber trotzdem sicheren alpinen Sportkletterrouten begeistert ist. Wer sich an den Kosten für die Sanierung beteiligen will, soll sich doch bitte bei mir melden (Kontaktmöglichkeit siehe beim Kommentarfeld). Es wäre doch super, wenn man mit einem Crowdfunding die Sanierung dieser tollen Route erreichen könnte!

Detail der üblichen Haken in der Route. Nur M8, dazu die Gerüstösen (oder sowas) mit wahrscheinlich sehr kurzer Schraube.
Facts

Schafbergwand - Garten Eden 7a (7a obl.) - 6 SL, 165m - F. Umlauft et al. 1991 - ****; xxx
Material: 2x50m-Seil, 10 Express, evtl. Camalots 0.75 & 2 für 1-2 Stellen in L1 und 1 Stelle in L6.

Prächtige Steilplattenkletterei durch den rechten Teil der östlichen Südwandplatte in der Schafbergwand. Sie bietet anhaltende Schwierigkeiten und vorzüglichen, meist kompakten und weitgehend grasfreien Fels. Die BH-Absicherung ist an sich recht gut, leider ist das unzuverlässige Eigenbau-Material inzwischen total verrostet. Ebenso warten 3-4 erzwungene Hartmacher-Einlagen wegen ungünstig platzierten Bolts, so dass schwere Stellen weit über der letzten Sicherung zu meistern sind und der Grad 7a obligatorisch ist. Hier kann man sich bei einem unkontrollierten Sturz auf dem rauhen, wasserzerfressenen Fels schon wehtun, selbst wenn die aktuell schlechten Haken halten sollten. Die (soweit möglich von uns entfernten) Umkehr-Karabiner und -Maillons in L3 sprechen jedenfalls eine eindeutige Sprache.

Samstag, 5. Juli 2014

Lachen lacht (8a)

Diese Woche konnte ich meine 10. Route im achten Franzosengrad rotpunkt durchsteigen - ein Umstand, welcher an dieser Stelle eine kleine Würdigung verdient. In der ersten Session war ich noch chancenlos und konnte nicht einmal alle Züge richtig klettern. Trotzdem hatte ich die Zuversicht, dass diese Route geht und es sich hier lohnt, dran zu bleiben. Für einmal hatte mich meine Intuition nicht getäuscht: in der technischen Boulderpassage an Seitgriffen muss man erst einmal seinen Rhythmus finden, und die richtige Spannung aufbauen damit die Füsse auf den sehr schlechten Tritten bleiben. Zudem muss man für den oberen Routenteil, mit seiner feingriffigen Wandkletterei (ohne die grosse, gutgriffige Schuppe rechts!), sich einen genauen Plan zurechtlegen.


Nachdem sich bei mir in der letzten Woche eine gute Form in Sachen Kraftausdauer aufgebaut hatte, wollte ich unbedingt einen Versuch in der Route starten. Schon aus der Ferne hatte ich die Zuversicht, dass ich dieses Mal, nach ca. 15 Versuchen in der Route, alle Moves am Stück durchziehen kann. Nur war es gar nicht so einfach, die nötige Zeit zu finden. Erst nachdem ich meine Arbeit in eine Nachschicht verschoben hatte, klappte es mit dem Trip an den Fels. Tatsächlich, nachdem ich mich aufgewärmt hatte, war dann gleich der erste Versuch erfolgreich. Beinahe mühelos gelangen mir die schwierigen und heiklen Züge der Boulderpassage, am folgenden Sloperband blieb der dort übliche Pump aus und im oberen Wandteil kletterte ich souverän, so dass ich mir die Butter nicht mehr vom Brot nehmen liess. Coole Sache - nun auf zu neuen Taten, die nächsten Projekte an diesem Cliff und anderswo warten schon!

Routenansicht: die Wand hängt auf 18m Länge rund 1m über. Die griffige Schuppe rechts oben ist wegdefiniert!