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Sonntag, 23. April 2017

Konditionstest am Mutteristock (2294m)

Am Muttri wird im Aufstieg jeweils auf Zeit gelaufen und es gilt dabei die Schallmauer von 2 Stunden Aufstiegszeit für die 1400hm, welche auf jeden Fall unterboten werden will. Davon hatte ich auch bereits früher schon geschrieben. Dies an einem Tag, wo ich meine (immer noch gültige) persönliche Bestzeit für den Aufstieg realisiert hatte und noch dazu eine perfekte Pulverabfahrt genossen hatte. Zum Ende unserer Oster-Kletterferien war die Gelegenheit für eine erneute Skitour (notabene die zweite "richtige" des Winters) da. Einerseits war mir nicht nach frühem Aufstehen, andererseits liess sich kurzfristig und spätabends kein Partner mehr für eine ambitioniertere Tour auftreiben. So ging's also an den Muttri zum Konditionstest. Dieser fiel zum Glück positiv aus - weiterhin Klettern und aufs Kardio-Training verzichten lautet also die Devise ;-) 

Ausblick vom Mutteristock  über die Abfahrtshänge hinunter zum Wägitalersee (Ende April 2017).
Zur Tour selbst gilt es zu sagen, dass diese mit einer Portage begann. Die Schneedecke am Ende des Wägitalersees war schon beinahe inexistent, so dass auf den ersten 100hm bis zur Hütte vom Schwantli an ein Fellen nicht zu denken war. Danach ging's auf dünnem, hartgefrorenem Schnee dann gut. Witzig war es, im zweiten Waldstück zum Chruter  hinauf über die knapp eingeschneiten Bärlauchfelder aufzusteigen - hatte ich so auch noch nie erlebt. Das rauhe Weidegelände vom Chruter selbst war dann nochmals leicht mühsam mit ein paar Extraspitzkehren zu begehen. Erst oberhalb, so etwa ab dem Schlunenwald, lag dann so richtig viel Schnee. Insgesamt waren an diesem Tag nur etwa 15 Tourengänger am Muttri unterwegs, im Vergleich zu einem guten Wintertag also verschwindend wenige. Die meisten davon hatten die Normalroute für die Abfahrt gewählt, in der Nordflanke lag erst eine einzige Spur - umso besser! Tatsächlich und wie erwartet fand man hier noch sehr guten Pulverschnee. So war die Abfahrt bis zum Ende des Muttrirückens ein grosser Genuss. Deutlich die beste Pulverabfahrt des Winters, wobei das bei meiner Tourenliste natürlich auch nicht so schwierig war ;-)

Fantastischer Pulverschnee und viel Sonne in der Muttri-Nordabfahrt. Eine weitere Person legt gleich die dritte Spur.
Unterhalb war es dann vorbei mit der Herrlichkeit. Im sonnigeren Gelände ob der Rinderweid war der Schnee decklig, unterhalb wurde er dann rasch klebrig. Um dem rauen Weidegelände unter der Rinderweid auszuweichen, wählte ich die Abfahrt via Aberen, ein Novum für mich am Muttri. Die war natürlich auch kein Genuss, liess sich aber ohne Probleme noch komplett mit den Ski an den Füssen durchführen. Auf dem Strässchen ging's noch bis zur Einmündung dieser Rinderweid-Abfahrt. Ab dort waren die aperen Stellen so zahlreich, dass eine Portage von 5-10 Minuten zurück zum Ausgangspunkt die effizienteste Fortbewegungsart war. Zufrieden rollte ich nach Hause. Nach "ausschlafen" (alles ist relativ ;-) und einem gemütlichen Frühstück mit der Familie hatte es doch noch für eine lässige Tour gereicht. Der Pulverschnee im oberen Teil war der Hammer und schliesslich war ich zum Zmittag bereits wieder retour zu Hause. Ein "Mini-Adventure" der idealen Art.

Facts

Mutteristock (2294m) vom Wägitalersee mit Abfahrt über die N-Flanke.
Ski-Schwierigkeit ca. WS+, einige kurze, steile Stellen (40 Grad) bei Einfahrt in die N-Flanke.
Material: normale Skitourenausrüstung.

Montag, 10. April 2017

Piz Calderas (3397m) - Westcouloir

Der Piz Calderas ist der höchste Gipfel im Massiv des Piz d'Err am Julierpass. Zwar ist er bei Laien und Berglern nicht überaus bekannt, allerdings liegt er auf der Dominanz-Rangliste der Schweizer Gipfel weit vorne auf Rang 21 und in Bezug auf die Schartenhöhe ebenfalls auf Rang 26. Dazu befindet er sich mitten in Graubünden, so erstaunt es nicht, dass man auf dem Piz Calderas eine hervorragende Aussicht geniesst. An diesem wolkenlosen, windstillen und sehr sichtigen Traumtag wollten wir ihm also einen Besuch abstatten. Kommt noch hinzu, dass er eine ideale Frühlingsskitour hergibt. Mit der Alp Flix steht ein hoch gelegener Ausgangspunkt zur Verfügung. Die Hänge sind unten nach West und oben nach Süd exponiert, so dass man nicht schon in einer Herrgottsfrühe anrücken muss. Mit 1500hm stimmte für uns auch die Länge der Unternehmung, war es doch beiderseits die erste richtige Skitour der Saison 16/17. Mit den steilen Westcouloirs hinauf zum Vadret Calderas war aber dennoch für genügend Excitement gesorgt.

Wieder einmal eine die beste Skitour für die aktuelle Lage planen, das habe ich schon lange nicht mehr gemacht...
Im Vorfeld ein bisschen fraglich war die Sache mit der Schneelage. Aktuelle Einträge auf den einschlägigen Portalen gab es keine. Dafür gibt's eine Webcam auf der Alp Flix. Die zeigt zwar einmal hierhin und einmal dorthin, aber nie in die Richtung, die wir am meisten gebraucht hätten. Wir wollten es trotzdem probieren. Unsere Anfahrt endete beim Parkplatz an der Waldgrenze (ca. 1900m), unmittelbar bevor man auf die Alp Flix kommt. Bis dahin war die Strasse komplett aper und man hätte im Prinzip noch weiter bis zum Startpunkt der Tour beim Berghaus Piz Platta (Tigias, P.1975) fahren können. Ob man dies darf, bleibt jedoch dahingestellt. Es herrscht Fahrverbot, Zufahrt für Gäste jedoch gestattet, zur Zeit ist das Berghaus jedoch geschlossen. Verschiedene Personen ziehen bei dieser Sachlage unterschiedliches Fazit - da wir die Bikes eh dabei hatten, entschlossen wir uns für ein Einrollen. Um 7.25 Uhr ging's beim Parkplatz los, 10 Minuten später waren wir beim Berghaus mit den Ski bereit. 

Mit dem Bike zum Schnee, ein überzeugendes Konzept! Die Pyramide in der rechten Bildhälfte der Piz Platta (3392m).
Die Frage nach der Schneelage hatte sich auch beantwortet. Es hatte noch Schnee bis zum Bike-Parkplatz und wir mussten bis zum Gipfel kein einziges Mal abschnallen. Gut so! Jedoch hat es in dieser Gegend schon allgemein wenig Schnee, in 1-2 Wochen ist's vermutlich bis auf 2400-2500m hinauf schon mehrheitlich grün und die Tour kaum mehr lohnend. Vom ersten bis zum letzten Meter war die Schneedecke übrigens auch perfekt tragend durchgefroren, aber trotzdem sehr griffig, so dass man ohne Harscheisen aufsteigen konnte. So machten wir rasch Terrain gut, gelangten auf das Flachstück der Plang Lung und konnten den weiteren Verlauf einsehen. Der Talschluss steilt sich gewaltig auf, nur ein steiles und schmales Couloir (das nördliche Westcouloir) scheint einen Ausweg zu bieten. Auf einer Höhe von 2900m präsentiert sich dann aber plötzlich das vorher versteckte, südliche Westcouloir. Dieses ist breiter, weniger steil und für den Aufstieg sicher deutlich bequemer. Die Verhältnisse waren so gut, dass wir diese auf etwa 140hm rund 40 Grad steile Passage in gerader Linie aufsteigen konnten.

Blick vom Beginn der Plang Lung in Richtung Piz Calderas (linke Bildhälfte) und Tschima da Flix (rechte Bildhälfte). Die einzige Passage durch den sperrenden Felsriegel scheint das nördliche Westcouloir in Bildmitte zu sein. Dieses haben wir für die Abfahrt benützt. Das weniger steile südliche Westcouloir ist aus dieser Perspektive noch nicht zu sehen.

Gang gend gredi obsi - Aufstieg in gerader Linie durch das 40 Grad steile (auch wenn's hier flacher aussieht!) südliche Westcouloir. Es ging gerade so an der Haftgrenze der Felle. In Spitzkehren hin und her zu laufen wäre aber dem harten Schnee definitiv viel mühsamer gewesen.
Dann war der Vadret Calderas auf ca. 3080m erreicht. Waren wir von der Alp Flix mutterseelenallein unterwegs, herrschte hier an den Gipfelflanken von Piz Calderas und Tschima da Flix ein emsiges Treiben. Diese Skitouristen waren alle von der Jenatschhütte aufgebrochen. Zum Gipfel war es aber nicht mehr sonderlich weit und in der sonnigen Südflanke präsentierte sich dieser Aufstieg gleichermassen problemlos wie genussreich. Nicht einmal ein Skidepot war nötig, man konnte mit den Skis bis zum Gipfelkreuz aufsteigen. Um rund 10.30 Uhr und damit nach weniger als 3h Aufstieg waren wir dort angelangt. Es liess sich sehr gut verweilen, trotz einer Gipfelhöhe von 3400m war es sehr mild, dazu windstill und sonnig. Und wie bereits beschrieben, man konnte sich an einem unglaublichen Panorama sattsehen und alle möglichen Gipfel studieren, welche wir bereits bestiegen hatten, oder die noch auf der Projektliste stehen. Der Piz Calderas war mein alpenweit 160. Gipfel über 3000m, etwa einen Drittel davon konnte ich im Panorama ausmachen.

Super Abfahrt durch das nördliche Westcouloir, welches auf 60hm über 45 Grand steil ist und eng zwischen den Felsen hindurchführt. Auch wenn es hier beinahe wie eine Bunny Slope aussieht, ist ein solches Unternehmen durchaus etwas seriöses.
Um ca. 11.30 Uhr fuhren wir schliesslich los. Das war vom Zeitpunkt her ziemlich ideal, wenn dann hätte man eher noch 15-30 Minuten zuwarten können, sicherlich jedoch nicht früher aufbrechen. In der südexponierten Gipfelflanke war der Schnee schon schön aufgesulzt. Wir entschlossen uns dann, das engere und steilere, nördliche Westcouloir zu fahren. Das ist sicher keine Extremabfahrt, jedoch ist es über 60hm doch über 45 Grad steil. Der Hartschnee (das steilste Stück lag immer noch im Schatten) war zwar perfekt griffig und wie ein Teppich zu fahren. Trotzdem, glatte und harte Schneedecke bei dieser Steilheit, da muss man schon wissen, was man macht. Von oben sah es jedenfalls wie eine gewaltige Rutschbahn aus. Mittels Kurzschwungtechnik war diese Schlüsselstelle aber bald bewältigt. Auf den etwas weniger steilen Hängen darunter war der Sulz dann einfach perfekt al Dente. Besser kann man es wirklich nicht treffen, dazu lassen die breiten Hänge viel Freiheit bei der Linienwahl. Unterhalb der Plang Lung auf dem letzten Abfahrtsstück sind die Hänge dann nochmals etwas mehr nach Westen ausgerichtet, so konnten wir wirklich bis zum allerletzten Meter perfekten Schnee geniessen. Nach einer kühlen Erfrischung gab's noch eine kurze Bikeabfahrt, bevor sich wenig nach dem Mittag die Runde geschlossen hatte. Diese Tour ist sicher ein Spitzenkandidat auf das goldene Fell der Saison 16/17.

Solche Hänge und solcher Schnee lassen keine Wünsche offen!

Perfektes Cruising-Gelände, derzeit noch bis zum letzten Meter dieser Skitour.

Schön einfach eine schöne Gegend, diese Alp Flix. Mazzaspitz, Piz Platta, Wissberge, Piz Forbesch und Piz Arblatsch.
Facts

Piz Calderas (3397m) von der Alp Flix oberhalb Sur an der Strasse zum Julierpass.
Ski-Schwierigkeit ca. ZS+, südliches Westcouloir anhaltend 40 Grad über 100hm. Total 1500hm.
Fakultative, aber lohnende Abfahrtsvariante durch das nördliche Westcouloir (>45 Grad auf 60hm).
Material: Normale Skitourenausrüstung. Pickel/Steigeisen bei guten Bedingungen nicht zwingend.

Montag, 27. März 2017

Schafbergwand - Blues in my Shoes (7a, 6 SL, Erstbegehung)

In der östlichen Südwandplatte an der Schafbergwand habe ich inzwischen schon einige Kletterspuren hinterlassen, dies mit der Erstbegehung der XL und den umfassenden Sanierungen bzw. der Neukonzeption vom Garten Eden und den Galoschen des Glücks. Meine Vorliebe für die Schafbergwand kommt nicht von ungefähr: wo sonst gibt es solch gut zugängliche, sowohl früh wie spät im Jahr kletterbare MSL-Routen im Bereich 6b-7a mit interessanter, technischer Kletterei an sonniger Lage, in einem perfekt rauen Kalk mit hervorragender Reibung?!? So gut wie nirgends, eben...

Globi der Felsenputzer in Aktion. Was macht man nicht alles, um den Kletterern auf einer tollen Linie ein schönes Erlebnis zu bieten.
Die Geschichte der Blues begann eigentlich am letzten Bohrtag in den Galoschen des Glücks. Schon seit langer Zeit war rechts davon im Kletterführer noch der Beginn einer Linie markiert, welche mit "altes Projekt" gekennzeichnet war. Beim Abseilen konnten wir uns einerseits davon vergewissern, dass sich rechts der Galoschen noch eine komplett eigenständige Linie mit interessanter Kletterei in prima Fels legen liesse. Andererseits beschränkte sich das alte Projekt auf nur gerade 3 Bohrhaken. Einer davon steckte in der heutigen L2, etwas neben der von uns schliesslich gewählten Linie. Ich vermute, dass sich diese 7a-Platte den Urhebern des Projekts als zu schwierig erwies. Zwei weitere Bolts stecken nämlich am Anfang der heutigen L3, diese Stelle wurde sicherlich mit einer Umgehung durchs Gemüse oder andere Routen nebenan erreicht.

Gut geputzt ist denn auch halb geklettert ;-) Bzw., so wird der Sack effizient vor Diebstahl geschützt!
Zur Tat geschritten wurde dann an einem schönen Sommertag im August 2016. Zusammen mit dem SAC-Führerautor und Lokaldoyen Werner Küng startete ich frühmorgens, denn einerseits waren auf den Nachmittag heftige Gewitter angekündigt, andererseits riefen mich Termine schon zeitig nach Hause. Trotzdem, der Startschuss wollte gesetzt sein, aber es stellte sich die Frage, wie viele Bohrhaken und Akkukapazität wir denn mitführen sollten. Wir beschlossen in weiser Voraussicht, in dieser Hinsicht grosszügig zu sein. Denn einerseits lösten sich meine Terminverpflichtungen in Luft auf (bzw. konnten während einer Bohrpause von unterwegs geregelt werden, den mobilen Kommunikationsmitteln sei Dank!), andererseits blieb der Himmel blau, von den angekündigten Gewittern keine Spur. So gelang es tatsächlich, die gesamte Linie an einem einzigen Tag zu erschliessen, wobei ich am Ausstieg den wirklich allerletzten Bolt mit dem letzten Quäntchen Akkustrom versenkte. Das isch emal e Planig!!! Nicht ganz auf der Rechnung hatten wir dabei das Blitzgewitter, welches sich übel von hinten anschleichend beim Abseilen über uns ergoss. So trotteten wir zwar schlussendlich doch wie begossene Pudel von dannen. Allerdings nur im wörtlichen Sinne, denn es war ein grandioser Klettertag gewesen und das Herz lachte.

Yours truly bolting on lead. Man beachte den angewinkelten Ellenbogen. Werner hat mich jedes Mal zurückgepfiffen, wenn ich einen Bolt nur schon im Ansatz hoch platzieren wollte. Beschwerden über zu hoch gesetzte Haken sollten also definitiv nicht nötig sein. 
Was noch blieb, war das Rotpunkt-Business, sowie einige Zusatzarbeiten an Linie und Absicherung. Zwei Monate nach dem Bohren konnten wir dies am 16. Oktober 2016 an einem strahlenden Herbsttag erledigen. Mit grossem Eifer wurden wo nötig Griffe geputzt, die wenigen losen Steine entfernt und die Absicherung vervollständigt. Ebenso konnte ich die Route befreien, d.h. es glückte mir ein komplett sturzfreier Gesamtdurchstieg im Rotpunktmodus. Insbesondere bei der zweiten Seillänge war ich mir alles andere als sicher, ob dies so einfach möglich wäre. Bei einer 7a auf Reibung bewegt man sich einfach an der Haftgrenze und bereits ein kleiner Fehler kann einen abschütteln. Das liess sich jedoch vermeiden, so galt es noch bis ans Routenende konzentriert zu bleiben. Nachdem die Route noch im Herbst für wertvolle Feedbacks von einigen Freunden und Bekannten wiederholt werden konnte und der Winterpause ist nun die Zeit zur Publikation gekommen. An der Schafbergwand geht die Saison nämlich bereits los!

L1, 50m, 6b+: Der Einstieg befindet sich am tiefsten Punkt der Felsen bei der östlichen Südwandplatte, am selben Ort (bzw. unmittelbar rechts) vom Sandührliweg. Er ist aktuell angeschrieben. Von dort geht's in anregender Plattenkletterei durchgehend im 6a-Bereich in die Höhe. Eine Stelle in der Mitte ist kniffliger zu lösen. Erst ein bisschen grössenabhängig, danach will die richtige Lösung erkannt werden, ca. 6b+. Der Stand dann auf dem grasigen Band.

L2, 40m, 7a: Es folgen zuerst 10m Zustieg in einfachem Gelände zur Knallerplatte mit der Crux. Die ersten 20m sind anhaltend schwierig. Angetreten wird meist auf Reibung, für die Hände gibt's aber durchaus die eine oder andere Leiste, hin und wieder einen Sloper und vor allem ganz viele seichte Löcher, wo man sich wünschen würde, dass sie doch nur ein bisschen griffiger wären. Gute Henkel fehlen hingegen komplett und auch das Erkennen der richtigen Lösung ist schwierig - wobei es vermutlich auch mehr als nur 1 Lösung bei ähnlichen Schwierigkeiten gibt.

Die extrem kompakte Knallerplatte in L2 (7a) von unten...
...und von oben. Hinter uns sind uns bereits die ersten Wiederholer auf den Fersen.
L3, 40m, 6b: Vom Stand auf dem bequemen Grasband geht's zuerst an fantastisch wasserzerfressenem Fels aufwärts. Ich würde das als eine sehr schöne Genusskletterei bezeichnen, bis auf die letzte Seillänge dürfte es sich um die einfachste Sequenz handeln. Das Finish der Länge dann kurz etwas mehr von der Vegetation durchzogen, an 2 Sanduhren gesichert zieht man etwas nach links hinaus zum Stand in bequemer Nische.

Dieselbe Stelle in L3 (6b), von welcher weiter oben das Bild vom Einbohren stammt.
L4, 40m, 6c: Immer geradeaus auf fantastischen, kompakten Platten. Diverse bouldrige Stellen wechseln sich mit bequemen Rastpunkten ab, wo es wieder bessere Tritte hat. Dieser Fact ist ein wesentlicher Grund, warum die Route so schnell eingebohrt werden konnte, liessen sich die Haken eben immer wieder aus kraftsparender Position setzen, bevor die nächste schwierigere Stelle gemeistert werden musste.

Super Klettere in L4 (6c), Werner ist gerade mit einer bouldrig-glatten Stelle beschäftigt. Aber man sieht's, hier und da befindet sich auch wieder einmal ein guter Henkel oder ein bequemer Tritt, was das Einbohren dieser Länge für den Grad ziemlich entspannt machte.
L5, 40m, 6c+: Der Auftakt zu dieser Seillänge hat es gleich in sich und wartet mit einer kniffligen Stehpassage und seichten Wasserrillen auf. Nach den ersten 10m kann man dann Fahrt aufnehmen, ein paar unerwartet auftauchende Löcher geben gute Griffe her. Nur muss man dann schauen, dass der Elan nicht kurz vor dem Top gestoppt wird. Hier hat sich noch eine knifflige, zwingende Passage ergeben (sehr gut abgesichert, ein Sturz ist absolut harmlos, A0 jedoch nicht möglich). Es geht aber schon...

Das ist die knifflige Stelle gleich zu Beginn von L5 (6c+). Bolt klippen und fein durchmoven!
Seitenblick aus den Galoschen des Glück auf dieselbe Passage am Anfang von L5 (6c+).
L6, 30m, 6a: Sollen wir oder sollen wir nicht? Das hatten wir uns bereits gefragt, als wir die Galoschen des Glücks sanierten, welche wenige Meter links vom fünften Stand der Blues enden. Nämlich eine letzte Seillänge hinzufügen, welche nochmals gemütliche Moves in plattigem Fels bietet, bevor oberhalb dann definitiv nur noch Legföhren kommen. Wie man sieht, dieses Mal haben wir es gemacht - die Seillänge lässt sich übrigens auch als Finish der Galoschen des Glücks klettern.

Toller Fels und richtig gute Kletterei bis ganz nach oben!
Nach getaner Arbeit gleitet man mit 6 Abseilmanövern (2x50m-Seile nötig!) wieder zurück an den Einstieg. Die Standplätze sind dafür ausgerüstet, je nach Gegenverkehr kann bzw. soll man auch solche der benachbarten Routen in Erwägung ziehen. Was die Bewertungen betrifft, so herrscht unter den bereits erfolgreichen Begehern so etwas wie ein Konsens vor. Wie schwierig das aber in der Praxis sein kann, zeigt folgendes Beispiel: Werner und ich sind die Cruxlängen von Galoschen und Blues gemeinsam und auch mit derselben Methode angegangen. Mir fällt jene der Galoschen deutlich schwerer, ich würde dort ein "+" (d.h. einen halben Grad) höher bewerten als in der Blues. Werner sieht das hingegen genau andersrum. Daher gelten nun beide Längen als 7a, was als ungefährer Richtwert bestimmt zutrifft. Die Denkweise, dass es den einzigen, korrekten Grad für jede Seillänge gibt, trifft einfach nicht zu. Schon kleine Unterschiede in Bezug auf die körperlichen Gegebenheiten (u.a. Grösse, Beweglichkeit, usw.) können zu einer anderen Wahrnehmung führen. Plus hin oder minus her, jedenfalls wünsche ich allen Wiederholern viel Spass an der Schafbergwand.

Facts

Schafbergwand - Blues in my Shoes 7a (6b+ obl.) - 6 SL, 240m - Dettling/Küng 2016
Material: 2x50m-Seile, 12 Express, Keile/Friends nicht nötig

Eine lässige Route durch die östliche Südwandplatte, welche über weite Strecken technische Kletterei über Steilplatten in fantastisch rauem, kompakten Fels bietet. Wie in den anderen Routen am Berg klettert man auch hier ab und zu an einem Grasbüschel vorbei oder bezieht Standplatz im Grünen. Das alles ist dem Genuss jedoch kaum abträglich. Wie alle anderen auch ist diese Route besonders wertvoll, weil die tiefe (~1500m) und sehr sonnige (Expo SSE) Lage ein MSL-Klettern bis spät in den Herbst sowie bereits an den ersten Frühlingstagen erlaubt. Die Route ist gut mit rostfreien BH abgesichert, trotzdem will der eine oder andere nichttriviale Plattenmove obligatorisch gemeistert sein. Der Anspruch ist dabei ähnlich wie in meinen anderen Linien XL, Galoschen und Garten Eden.

Topo

Hier gibt es das komplette Topo zum PDF-Download.